Carolinensiel - Okt. 2000

vom 02.10. - 12.10.00

 

Montag fahren wir bei schönem sonnigen Wetter los in Richtung Nordsee über die A1 in Richtung Oldenburg und dann auf die Wilhelmshavener Autobahn, um dann nach Wittmund und endlich Carolinensiel einzubiegen.

Um 11.00 Uhr starten wir, nachdem ich Frau Göken, unserer Vermieterin auf's Band gesprochen habe, dass wir nicht am Mittwoch, sondern schon heute kommen.

Wir sind richtig froh, dass wir in Richtung Norden und nicht in Richtung Süden auf der Autobahn unterwegs sind, die andere Bahn ist dick gefüllt mit LKW's, der rollende Lagerbestand, eben just in time.

Machen wir wieder in Dammer Berge Pause, Oma ? Genau, das wollte ich auch, kann man doch von der Raststätte, die sich über beide Bahnen spannt, so schön die flitzenden Autos beobachten. Muss ich noch erklären, dass wir es bis dahin nicht schafften, wir hatten schon vorher Hunger und Durst und auf das kleine Örtchen mussten wir auch.

Natürlich hatte ich genügend Vorrat an Essbarem mit und so kleine süße Leckereien gab es auch.

Zügig kamen wir voran und erreichten so gegen 14.30 Uhr Carolinensiel.

Das Haus fanden wir sofort, wir wissen ja Bescheid, in den Mittelweg und dann links und schon waren wir da. Doch oh je, die Wohnung war besetzt, bei dem schönen Wetter waren sehr viele Touris in Caro.

Ja, ja Oma, mit Dir ist Urlaub immer ein Abenteuer. Keine Angst wir bekommen schon was. Wir brauchen nur für eine Nacht was, denn morgen ist die Wohnung frei.

An der Kurverwaltung weiß man Rat und wir erhalten eine Wohnung in Wittmund, das ist die Kreisstadt, 12 km entfernt. Ich rufe Frau Altmann in Wittmund an, dass wir erst abends kommen, wir wollen erst Tretbootfahren auf der Harle in Caro.

Es ist wie im vorigen Jahr Alexandra macht mit dem Ding wieder nur Unsinn und ich habe ständig Angst, die Schiffe auf der Harle zu rammen.

Kommando rechts, rechts, links, bleib doch links, ich seh mich schon in der Harle. Alexandra will mich aber großzügig retten.

An der Friedrichsschleuse beobachten wir, wie ein Kutter auf die Reede gezogen wird, er sieht auch schlimm aus, muss wohl repariert und gestrichen werden. Das Aussteigen aus dem schrecklichen Tretboot ist für meine Knie nicht das reine Vergnügen, aber Alexandra macht das souverän, erst andocken des Bootes oder heißt es festmachen ?, dann Oma aus dem Boot holen.

So, Oma jetzt noch ein schönes Eis und dann fahren wir nach Wittmund und gehen schön essen. Nicht Oma, dann machen wir uns einen schönen Abend.

Frau Altmann ist nicht da, aber wir finden ihren Mann im großen Garten in seiner Hobbywerkstatt. Seine Frau ist bei der Maniküre.

Er zeigt uns unseren Bungalow und weist uns ein. Seine Frau komme bald. Wir bummeln durch das nette Städtchen Wittmund und entschließen uns im"Kappadokia" zu essen. Alexandra erkläre ich den türkischen Namen des Lokals, Kappadokia ist eine in die Felsen gehauene Stadt in der Türkei.

Wir essen wirklich köstlich, es ist richtig edel und die Bedienung sehr zuvorkommend.

Zum Abendabschluss genehmigt sich Alexandra noch eine Eisschokolade und ich endlich mal ein schönes Jever Bier, schließlich muss ich nicht mehr Auto fahren, Altmanns wohnen gleich im Zentrum.

Oma, in dem Boiler im Bad ist ein kleines Feuer.

Ja, das ist ein Gasboiler und das kleine Flämmchen ist immer da.

Ach da kann ich wohl die ganze Nacht nicht schlafen, wenn das mal explodiert.

Nein, das macht es nicht, du kannst ruhig schlafen.

Bald schläft sie ruhig und fest, doch am nächsten Morgen behauptet Alex, sie habe überhaupt nicht geschlafen.

Wir rechnen mit Frau Altmann ab, es ist eine Frau aus Stuttgart, die sich im Urlaub in Caro in einen Araber verliebt hat - beide sind ca. 60 Jahre alt, sie haben sich in Wittmund das Haus gekauft und leben seitdem dort.

Wir fahren natürlich nach Caro und schauen, wo wir frühstücken können, denn in Wittmund war alles dicht, es war ja Feiertag, der 3.10.

Im Cafe Caro frühstücken wir ganz komfortabel und es ist ziemlich Betrieb, viele leisten sich den Luxus. Es war auch wirklich gut.

Anschließend bummeln wir durch unser geliebtes Carolinensiel und erinnern uns an vieles Erlebte vom letzten Jahr, als wir bei Lübbens waren. Wir sehen einen Dackel, das ist der Lübben-Dackel, meinst du, ja pass auf gleich kommt die Lübben daher und tatsächlich Frau Lübben erscheint. Kurz entschlossen taufen wir den Marie-Ulfers-Weg in Lübbenweg um.

Wir nehmen unsere Wohnung in Beschlag und testen gleich die zur Wohnung gehörenden Räder. Wir radeln erst mal durch Caro zum Kurhaus und weiter nach Harlesiel und dort auf unseren Weg nach Neuharlingersiel. Ob wohl wieder die Heurollen dort liegen ? Die Klorollen für Elefanten ? Nein sie sind schon vom Deich gegenüber auf das Feld geschafft worden, ein Bach liegt dazwischen und Alexandra kann leider nicht turnen. Es ist natürlich, dadurch, dass überall Schafe weiden, wie immer, ein Scheißweg im wahrsten Sinne des Wortes. Der Sch.......wird immer wieder aufgewirbelt und unsere schönen Reifen sehen schrecklich aus.

Auch in Neuharlingersiel muss erst alles wiederentdeckt werden, oh das Kurhaus hat einen neuen Eingang und überhaupt ist es sehr schön umgebaut worden, dafür ist der Parkraum weniger geworden.

Das Schiff aus Spiekeroog liegt im Hafen und Alexandra erinnert sich wieder an den damaligen Urlaub.

Oma, lass uns mal wieder durch den Park fahren zu dem einen Fischladen, wo wir schon mal waren. Ach, du meinst den Hinni. Genau.

Wir kommen am kleinen Schlösschen vorbei und Alexandra sieht wieder die kleine Brücke. Oma, aus was war noch mal das Geländer gemacht. Aus Walnussrippen. Äh, ich meine natürlich Walrippen. Alexandra merkt gar nicht den Versprecher und braust schon weiter. Wir kurven durch die kleinen Straßen mit den kleinen Nurdachhäusern und landen beim Hinni. Da machen wir erst mal eine Pause.

Heute abend lassen wir den Drachen steigen. Na, ob das klappt, es ist doch gar kein Wind, bei dem lauen Lüftchen bleibt er unten.

Stimmt am Abend ist es noch milder und ruhiger und der Lappen will nicht so recht.

Jeden Tag am Deich, das wird auch langweilig, also fahren wir mal in Richtung Werdum, unterwegs erwischt uns der einzige Schauer an diesem Tag auf offenem Feld ohne Unterstellmöglichkeit. Nein, da müssen wir zurück und uns umziehen, wir sind bis auf die Haut nass, trotz aller Regenmäntel. Meine Jacke war ja noch wasserfest, aber Alexandra war schlimm dran. Da muss erst mal eine neue Jacke her. Bei Windrose haben sie schöne und wir finden auch noch eine in Alexandras Größe. Die kannst du auch zur schule gebrauchen. Jetzt müssen wir noch nach Gummistiefeln Ausschau halten.

Wir entdecken unseren Krabbenkutter und beschließen gleich mitzufahren. Doch oh, Schreck auch das ist moderner geworden, statt des alten Kutters, legt ein Ausflugdampfer an und eine riesige Menschenmasse stürmt das Schiff. Na ja, die Seehundsbänke waren ganz nett und die putzigen Seehunde zu sehen, aber das Krabbenfischen haben wir uns geschenkt, wir kannten es schöner vom letzten Jahr. Die traumhafte Sicht nach Wangerooge entschädigte und überhaupt das schöne Wetter, so war es doch noch ein schöner Ausflug. Nach Esens fuhren wir jetzt aber mit dem Auto, mit dem Rad ist es doch eine lange Strecke.

Alexandra geht alleine ins Holarium, das Museum für Holografie.

Alexandra kaufe ich noch ein Holo-Bild für ihr Handy, eine gruselige Maske.

In der Zeit gehe ich über den Markt und kaufe Wattwürmer (schmale Mettwürstchen).

Wir bummeln durch die sehr schöne Stadt und kaufen etwas ein, aber Alexandra drängt wieder nach Caro zu fahren. Oma, in Caro ist es doch am schönsten.

Abends ist Hafenfete im Museumshafen von Carolinensiel. Wir erfahren es ist die letzte in diesem Jahr und mit dem Wochenende endet offiziell die Saison.

Beim Bier und einem Würstchen lernen wir eine Frau aus Radevormwald kennen, sie wohnt in Neuharlingersiel und kommt auch sehr gerne nach Caro. Sie empfiehlt uns unbedingt mal in der Kutscherstube in Altfunnixsiel zu essen.

Der Chanty-Chor singt in diesem Jahr das letzte Mal im Kurhaus.

Alexandra findet das gar nicht toll, aber sie geht wenigstens mit. Es ist ganz nett, wenn es auch uns beiden nicht so hundertprozentig gefällt, lernen wir wenigstens etwas, nämlich, dass Chantylieder Arbeitslieder sind und früher den Sinn hatten, die Ruderer auf den Schiffen oder bei anderen Arbeiten sollten im Takt und gleichmäßig arbeiten.

In dem jetzigen Museumshafen waren früher 70 Segelschiffe stationiert, die in aller Welt unterwegs waren und damals kostbare Ware mitbrachten, wie Gewürze und Stoffe, mit der Erfindung der Dampfmaschine wurden diese Segelschiffe durch die Dampfer verdrängt.

Im Publikum wird ein e Gruppe aus Remscheid begrüßt. Diese Gruppe von Männern kommt seit 15 Jahren nach Carolinensiel - mit dem Fahrrad - 357 km sind es per Rad von Remscheid bis Caro.

Wir fahren mal wieder nach Schillig und dann nach Horumersiel, puh 36 km, das geht ganz schön in die Beine.

Wie immer ist in Horumersiel was los, auch hier feiert man den Saisonabschluss und eine Spielmannskapelle zieht durch den Ort.

Auf dem Rückweg füttern wir ein Pferd, doch das ist ziemlich frech und reißt uns alles aus den Händen , Salat, Gurkenreste....

Zuhause gehen wir erst mal Eisessen auf der Terrasse des Italieners über Luigi.

Ich gehe bezahlen und will aus dem Cafe, sehe nur zwei Stufen und es waren drei. Ein Hollywood-reifer Sturz legte mich vor die Eisdiele. Hilfreiche Hände halfen mir wieder hoch. Alexandra konnte sich vor Lachen nicht halten, hatte aber gleichzeitig Sorge, dass mir was passiert sei. Nein, Alexandra, komm lass uns verschwinden, die glotzen alle. Nach einer kurzen Strecke steige ich auch wieder auf das Rad - deshalb schwoll mein linkes Knie wohl nicht so an.

Trotzdem sage ich den Besuch bei Micaela in Hannover ab, stundenlang auf der Expo rumzulaufen, dazu hatte ich natürlich keine Lust mehr.

Am nächsten Tag ist Teeseminar in dem kleinen Schlößchen in Neuharlingersiel. Da gehen wir hin.

Um 11 Uhr beginnt es und wir sind um 10Uhr schon da, so können wir in den Kreativraum im Leisen Haus des Sielhofes gehen und etwas basteln.

Wir lernen wirklich neue Dinge über das Teetrinken und den Umgang mit Tee. Es sind ca. 25 Leute da, sogar aus Spiekeroog ist eine Gruppe da. Es ist eine sehr gemütliche Runde mit dampfendem Tee auf Kandis und mit Flocken aus Sahne. Sehr schön, sehr kultiviert. es macht uns beiden Spaß. Wir bekommen noch den Tip, in den Laden der Jansens am Museumshafen zu gehen, dann könnten wir uns das Museum sparen. Wir gehen hin und staunen, sowohl das Inventar als auch die beiden Jansens, Vater 90 Jahre alt und Sohn 50 Jahre alt wirken genau so antiquiert.

Trotzdem besuchen wir die sehr interessanten Museen in Caro, zumal Alexandra entdeckt hat, dass dort augenblicklich eine Titanic-Ausstellung ist. Aber auch ohne diese Sonderausstellung bekommt man einen sehr guten Überblick über die Vergangenheit an der Küste.

Ab und zu fährt Alexandra abends oder auch am Tage alleine durch ihr geliebtes Caro. Sie braucht das, hat sie mir gesagt. Es ist so schön, Oma.

Sie kommt zurück und erzählt, es sei eine Beerdigung gewesen und die Frau Altmann und einer vom Chanty-Chor wären auch dabei gewesen.

Dann war es sicher ein wichtiger Mensch, der dort beerdigt wurde. Am nächsten Tag quatsche ich zwei Frauen an der Kirche an und die erzählen mir, dass der Wirt vom Sielkrug beerdigt wurde.

Es ist Sturm angesagt, juchhu Oma, da kann der Drachen richtig steigen.

Wir fahren mit dem Auto zum Strand. Bei diesem Wind ist der Drache richtig gefährlich. Einmal saust er genau neben mir unangespitzt in den Boden, der hätte mir den Kopf aufschlagen können. Alexandra stemmt sich mit ganzer Kraft gegen die Kraft des Drachens. Ich habe Handschuhe mit und das hilft schon sehr gut. Jetzt verstehen wir, warum Schilder hängen, auf den steht, dass Drachensteigen wegen der Lärmbelästigung hier nicht gestattet ist.

Alexandra bekommt ein schlechtes Gewissen und packt ein. Wir fahren zur Goldenen Linie und lassen den Drachen auf einem Stoppelfeld steigen. Nur gut, dass ich für Alexandra Gummistiefel gekauft habe. Meine Schuhe sehen allerdings wie Sau aus, muss ich doch immer beim Start des Drachens helfen.

Starker Wind auch hier und dabei strahlender blauer Himmel.

Auf dem Rückweg nach Hause fahren wir über die A 31, wir wollten eigentlich nach Emden ins Otto-Museum, dies hatten wir irgendwo gelesen, doch Frau Göken hat uns aufgeklärt, es sei nicht ein Museum von Otto Waalkes, sondern das eines Malers.

Trotzdem fahren wir die Strecke, wenn auch ein Stück Autobahn fehlt, wir haben Zeit und sehen dadurch noch die schöne Fehngegend, die so ideal für Radtouren sein soll und einige Künstlerdörfer beheimatet.

In Papenburg gehen wir von der Autobahn, wir wollen mal sehen, ob wir die Meyer-Werft besichtigen können. Leider nicht, das gesamte Gelände ist eingezäunt, es wird riesig gebaut. Wir drehen um und machen nur noch Fotos von außen, vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

Als wir nach Hause kommen treffen wir gleich Herrn Wagner im Hausflur, er erzählt uns, das jetzt gerade ein riesiger Pott in der Werft gebaut wird und man im Frühjahr alles besichtigen kann.

Mal wieder ist ein schöner Urlaub viel zu schnell zu Ende gegangen, aber vielleicht dürfen wir ja wieder im Sommer nächsten Jahres gemeinsam Caro genießen, vielleicht dann mit Micaela, Peter und Peter Micael aus Hannover.

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