Sa h a r a

Bericht über eine ganz gewöhnliche Busreise..........

von

Anneliese Poggensee

Email A-Poggensee@online.de

 

 

Berühmte Sahara-Reisende hier:          Saharafotos          

 

SAHARA, wer hat sie nicht schon verflucht und trotzdem heiß geliebt.

Niemanden lässt sie so einfach in ihr Reich. Saharafans können ein Lied davon  singen.

Kampflos zeigt sie ihre Schönheit nicht, ich habe es zweimal erfahren müssen, vor zwei Jahren war ich

schon einmal dort.

 

Djebel Amour, ein  bezeichnender Name für eine herrliche Gebirgslandschaft, aber für uns war

es die Hölle.

 

Windig war es hier schon immer, aber dass es Ende Dezember schon  schneite, war doch recht selten.

Wir erlebten einen  Blizzard, Eisnadeln peitschten unsere Gesichter, schieben, schaufeln, Beschweren

der Achse. Ich weiß nicht wie lange wir schufteten.
Wir glaubten in Sibirien zu sein und nicht in Afrika.

        

                                       
 

Zu Hause beim Betrachten der Dias war alles vergessen und da war es, das Heimweh nach der Sahara.

 

Am 27.03.82 ist es dann wieder so weit, Afrika empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein und dem

Duft von Millionen Orangenblüten.

 

Zunächst  besuchten wir das in dem ehemaligen Bey-Palast  befindliche Bardo-Museum, es beherbergt

der Welt größte und besterhaltene römische Mosaikensammlung.

Das Bardo-Museum ist das bedeutendste Museum Afrikas und unbedingt einen Besuch wert.

Weiter geht es durch die nicht gerade ansehnlichen Vororte von Tunis in Richtung Testour,

einer Stadt im andalusischen Stil.

 

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in das 9 km entfernte Dougga (steiler Fels),

eine antike Ruinenstadt Nordafrikas mit Bauten  aus punischer, römischer, numidischer und

byzantinischer Zeit.

 

Schon von weitem sieht man das Kapitol, Haupttempel von Jupiter, Juno und Minerva. Das Forum,

die Thermen, das Solarium und auch die Kanalisation sind noch sehr gut erhalten. Im Theater sieht

man noch sehr gut die Logen der Reichen, weiter hinten, damals wie heute, die Plätze der armen

Schlucker. Im Winter überspannte ein Zelt aus Halfa-Gras das Theater, im Sommer wurde unter

freiem Himmel gespielt.

Sehr praktisch sind die kopflosen Stein-Statuen, je nach Besetzung der Stadt wurde ein  anderer

Kopf aufgesetzt.

 

Gegen Mittag erreichen wir El Kef, großartig auf einem Felskegel gelegen , von dem man eine

weite Aussicht über das fruchtbare Tal des Medjerda-Flusses hat.

Der Markt wird gestürmt, die Preise schnellen in die Höhe, was soll's, DM 1,00 für ein Kilo Orangen

ist nicht gerade ein  stolzer Preis. Die unbedingt notwendigen Wasserkanister werden hier gekauft.

Zur Freude des Händlers deckt sich unsere 38-köpfige Rotel-Reisegesellschaft erst einmal mit

genügend Rotwein ein.

 

Die Grenzformalitäten an der tunesisch-algerischen Grenze halten uns einige Zeit auf, immerhin

drei Stunden. Die Grenzbeamten sind aber äußerst korrekt und an der algerischen Grenze durch eine

komplizierte Bürokratie offensichtlich stark überlastet.

Unser nächstes Ziel ist Tebessa, das antike Theveste, dessen Altstadt auch heute noch von einer

byzantinischen Mauer eingefasst wird.

Wir übernachten im 1000 m hohen wunderschönen Pinienwald in der Nähe von Meskiane,  in unserem

mitgeführten Schlafbus. Hier wird auch das erste Mal die Wäsche per Wasserkanister ausprobiert.

 

Constantine, eine Stadt als Adlerhorst, kann man sich das vorstellen ? Die Stadt wirkt hochmütig,

die Hängebrücke üb er die Rhumel-Schlucht zerbrechlich und schwindelrregend. In  mehreren Kaskaden

stürzt der Fluss in die Tiefe. Wir machen einen  Gang durch die Altstadt, wimmelnde Menschenmassen,

Düfte arabischer Küchen umwehen uns. Wir können nicht widerstehen, essen etwas pizzaartig Scharfes,

aber Köstliches. Interessante Gesichter begegnen uns, gute Fotomotive, aber das Gefühl, Menschen 

wie Tiere im Zoo zu fotografieren , also lassen wir es, nicken ihnen freundlich zu und schießen mit der

Seelenkamera, dies ist ohnehin billiger.

Das Palais des Ahmed Bey können  wir leider nicht besichtigen, nur von außen, es ist geschlossen .

 

Auf der Nationalstraße fahren wir zügig weiter nach Batna, vorbei an zahlreichen Salzseen. Hinter

Ain  Yagout geht es links ab nach Medracen, zum Grabmal des Numiderkönigs Malinissa

(2.Jahrh. vor Christi), ein Rundgrab von 60 m Durchmesser und 20 m Höhe.

Auf 1054 m Höhe erreichen wir das Städtchen Batna, das aus einem 1844 angelegten französischen

Militärlager entstanden ist und auch heute noch das algerische Militär beherbergt. Hier hatten wir ein

lustiges Erlebnis, aus der Kaserne kam eine Gruppe Soldaten, aufgepflanzt hatten sie keine Gewehre,

sondern Gießkannen. Wir sind so verblüfft, dass niemand in der Lage ist, ein Foto zu schießen. (Sie

sollten die frisch angepflanzten Bäume gießen). Einstimmig sind wir dafür, alle Armeen der Welt mit

diesen "Waffen" zu bestücken.

 

Vorbei an den Ruinen des römischen Lambesis geht es nach Timgad am Füße des Aurèsgebirge,

eine weitläufige, 50 Hektar große Ruinenstadt, das ehemalige Tamugadi

der Römer. 100 Jahre nach Christi von Kaiser Trajan inmitten einer reichen Agrarlandschaft gegründet.

 

Timgad ist eine vollkommen vorgeplante römische Stadt, wie sie überall im Imperium von  staatlich

bestellten Architekten  und Städtebauern angelegt wurde..

Bewohnt wurde Timgad von Veteranen, Soldaten, die ihren Wehrdienst abgeleistet hatten und dafür

ein Stück Land vom Staat erhielten, also eine Veteranensiedlung, die im Ernstfall gleichzeitig ein

militärischer Stützpunkt darstellte. Genügend Wasser war vorhanden und Sklaven bestellten die Felder.

Timgad besaß ein Museum, Thermen, öffentliche Badeanstalten, eine Bibliothek, ein Forum, Boutiquen,

Geschäfte, ja sogar Stehkneipen und Bars waren vorhanden. Selbstverständlich auch ein Theater, das

4000 Besucher fasste und von dessen aufgezeichneter Akustik wir uns überzeugen konnten. Erst 1765

stieß ein Reisender auf die vergessene Stadt Timgad, jedoch erst 1880 begann man mit den

Aufräumungsarbeiten und auch heute sind noch nicht alle Schätze gehoben. Im Museum findet man

sehr gut erhaltene Mosaiken von Venus und Diana. Das besterhaltene Bauwerk von Timgad ist der

dreitorige so genannte Trojansbogen, der in Wirklichkeit ein Stadttor war.

 

                                                 

Wir erreichen die Schlucht von Abiod, eines aus dem rauhen Aurèsgebirge kommenden Flusses,

der sich tief in die Berge eingefräst hat und so ein natürliches Tor zur Sahara schuf.

Palmoasen hängen wie Adlernester an den Felsen. In  dieser leicht zu verteidigenden Landschaft nahm

die algerische Unabhängigkeitsbewegung ihren Anfang und hatte die Kommandostellung in Arris.  

 

Vom Balcon du Rhoufi hat man eine hervorragende Aussicht auf den Canòn des Oued El-Abiod.

Wir machen eine Wanderung durch dieses Flusstal. Es ist noch einiges Wasser im Flussbett und wir

müssen Schuhe und Stümpfe ausziehen, um das Wasser zu durchqueren. Dieses Gebirge begeistert

und immer wieder und die Abiod-Schlucht, an den Grand Canyon in Amerika erinnernd, ist für jeden

Bergsteiger ein unvergessliches Erlebnis.

Die Abiod-Schlucht ist eines der schönsten Landschaften Algeriens.

 

Nach Rückkehr aus der Schlucht empfangen uns schon die Teppichverkäufer. Es gibt hier eine besondere

Art Teppich, aus Ziegenhaar, sehr strapazierfähig, in Naturfarben gewebt nach alten Mustern. Wir

feilschen um Preise und Tauschmöglichkeiten, Hosen und Schuhe sind sehr gefragt.

Über Biskra erreichen wir das Gebiet der größten Dattelpalmoasen von Far-Far, durchqueren

das Siedlungsgebiet des berühmten Nomadenstammes des Oued Nail und fahren zum Zentrum des

Gebietes der Oase Bou Saada.

 

Weiter geht es durch die langgestreckten Bergzüge des Sahara-Atlas nach Djelfa.

Immer wieder trifft man auf Ziegenhaarzelte der Oued Nail, die sich für Nachkommen des islamischen

Heiligen Mouley Idriss und damit für direkte Nachkommen des Propheten halten.

Wir sind auf der Straße, die uns vor zwei Jahren mit Eis und Schnee so viel Kummer bereitet hatte.

Damals konnten  wir die Felsgravuren bzw. Felsritzungen von Ghicha nicht besichtigen. Die Straße

zu den Felsgravuren bringt uns den ersten Eindruck der kommenden Strapazen, es ist keine Straße,

es ist eine Rüttelpiste. Im Schneckentempo fahren wir bis zur letzten Wendemöglichkeit. Danach

geht es zu Fuß weiter, Ziegenherden begleiten uns auf dem Weg dort hin.

Die Felsgravuren von Ghicha sind noch sehr gut erhalten, wahrscheinlich weil sie weitab der

Durchgangsstraße sind. Andere Felszeichnungen in  der Sahara sind in einem bedauernswerten Zustand.

Die Zeichnungen , 9000 - 4000 Jahre alt, zeigen die Tierwelt der damaligen Zeit, Elefanten, Rinder,

Strauße, Antilopen, Tiere, die heute keine Existenzmöglichkeit mehr hätten.

Links von den größten Felsgravuren  in Ghicha sieht man die Zeichnung eines Esels, zu professionell

gemalt, zu hell, ohne den das Alter beweisenden sogenannten Wüstenlack, um zur gleichen Zeitperiode

gerechnet zu werden.

 

Aflou, 1400 m hoch, Algeriens höchstgelegene Stadt ist nicht weit von Ghicha entfernt. Entlang des

Atlasgebirges und der weiten Ebenen des Schott-Hochplateau geht es über El Bayad nach Tiout,

in der Nähe der Oase Ain Sefra.  Nahe der Straße befinden sich ebenfalls Felsgravuren von Göttern,

einer Mutter mit Kind und verschiedenen Tieren.

Die Oase Ain Sefra ist schon  eine Postkartenoase, obwohl die richtige Stimmung der Sahara erst viel

später auf den Reisenden einwirkt.

 

Wir erreichen an der algerisch-marokkanische Grenze das umstrittene Gebiet um Bechàr.

Hier sehen wir die Trasse einer nie vollendeten Trans-Sahara-Eisenbahn, die nur auf einem kurzen

Stück in Betrieb ist . Wir durchqueren die weite Hammada du Guir, eine Steinwüste und nähern uns

dem großen westlichen Erg.

 

Nur 20 % der Sahara besteht aus Sandwüste, der Rest aus Reg und Hammada, der Stein -und

Geröllwüste.

 

Plötzlich und unerwartet ist die große Wüste da, für jeden Wüstenneuling ein  unfassbares Bild.

Wir bleiben stehen und genießen den Anblick der Flusses Targhit mit den dahinterliegenden

Sanddünen.

Zu unserer Freude finden wir in  einem Palmenhain einen Wasserhahn, schnell ist ein  Schlauch montiert,

in  einen Olivenbaum gehängt und schon kann das Duschfest beginnen. Die herbeigelaufenen

Oasenbewohner staunen über unsere Hygieneorgie.

Auch wir sind für die Oasenbewohner immer wieder ein großes Schauspiel, die Kinder stürmen hinter

unserem Bus her, bis er hält, sie glauben der Zirkus ist angekommen......

 

Zurück geht es bis zur großen Trans-.Sahara-Verbindung, die nach Gao am Niger führt.

 

Weiter durch eine Geröllwüste bis nach Beni Abbes, einer wunderschönen Oase am großen Erg.

Beni Abbes hat 10.000 Einwohner und liegt an der Straße der Palmen.

 

Die Häuser klettern terrassenförmig aus dem palmenbestandenen Flusstal der Souara hinauf.

Der Aufstieg auf die goldfarbenen Dünen von Beni Abbes ist recht mühsam, der Blick über das

unübersehbare Meer aus Sand jedoch die große Belohnung.

 

Das nächste Ziel, die Oase Kerzaz, berühmt wegen der Khottaras, hohe Schwenkbrunnen vor

ockerfarbenen Dünen, ist ein willkommenes Fotomotiv.

                          

 

Wir verlassen die Trans-Sahara-Verbindung und nehmen Kurs auf Timmimoun, der schönsten

Oase der Sahara, erbaut im sudanesischen Stil.

Kann man etwas so Wunderbares wie Timmimoun beschreiben ?

         

      

Kein Foto kann den Kontrast der Farben, die Fülle der Formen, die Stimmung des Marktes, das Lachen

der Kinder wiedergeben. Als Fremde werden wir hier wie Bekannte begrüßt. Die verwinkelte Altstadt

mit ihren Häusern aus Stampferde, die Höfe, der Markt, das Sudantor, die weit verzweigte Foggara-

Bewässerung, dies alles ist Timmimoun .

 

Mit einem traumhaften Sonnenuntergang verabschiedet sich die Oase von uns.

 

Nach Rückkehr auf die Trans-Sahara-Verbindung und Fahrt durch die Provinzstadt Adrar geht es weiter

nach Reggane, der letzten Siedlung auf algerischem Territorium, 1300 km vom nächsten, in Mali

befindlichen Ort entfernt.

 

Hier verlassen wir die Asphaltstraße und begeben uns auf eine echte Wüstenpiste in  Richtung Osten,

entlang den  weiten Sandebenen des Tidikelt.

 

Bis etwa 50 km hinter Reggane finden wir eine gute, in Bau befindliche Wüstenpiste.

Wir machen Rast und verbrennen gegen alle Umweltschutzgesetze einen unterwegs gefundenen

LKW-Reifen, ein Lagerfeuer unter dem kuppelartigen Sternenhimmel Afrikas.

Zu früher Stunde geht es weiter auf der Rüttelpiste, von Tonne zu Tonne, als Wegweiser links der

Todesgarten des Tademait und rechts immer im Blickwinkel das Tidikelt.

 

In der Nähe der Oase Alouef geraten wir in  ein Tiefsandgebiet. Kurze Zeit später ist es dann so weit,

ein  Meer von Sand überschüttet uns, Sandsturm, vier Stunden lang, Zeit zum Nachdenken, jeder für

sich allein. 50 Grad im Schatten. Am heißen Autoblech verbrennen wir uns die Hände beim Schieben,

Sandbleche graben sich ein , schaufeln, schieben, schaufeln, schieben......

Nebenbei finden wir die ersten mineralisierten tropischen Bäume, Zeugen aus paläozontischer Zeit,

als der Urwald die ganze Sahara bedeckte. Spitzkegelige Marabutgräber stehen wie Wegweiser

unweit der Piste.

 

                                                   

Endlich ist Ain Salah erreicht. Auch hier tobt der Sandsturm, Sand ist überall, auch im Essen des

Restaurants Carrefour. Unseren Appetit lassen wir uns trotzdem nicht nehmen.

In  dem Besitzer des Lokals, Hadji Abderrahmane, einem Tuareg aus Tammanrasset, lernen wir den

einzigen Skifahrer der Welt kennen, der auf Sand Ski fährt.

 

Noch vor kurzer Zeit drohte die Oase im Sand zu ersticken, wurde freigelegt und ist heute wieder

Wohngebiet, die umliegenden Wanderdünen wurden mit Bunen befestigt.

 

Unser südlichstes Ziel ist Tammanrasset.

                                                     

 

Schon an der Tankstelle in Ain Salah erfahren wir, dass die Straße durch starken Regen im letzten

Jahr in  einem m miserablen Zustand ist und zum Teil ganz fehlt.

Die ersten 250 km sind noch recht gut befahrbar.

Der Sandsturm hat auch hier ganze Arbeit geleistet, die Straße ist zugeweht und wir müssen  warten,

bis der Schnee-bzw. Sandschieber sie wieder freibekommt. Zur Belohnung erhalten die Fahrer die in

Algerien beliebte Währung - Stilos - das sind Kugelschreiber.

 

Weiter geht es in Richtung Süden, Sanddünen säumen für kurze Zeit unseren Weg, bis die Ausläufer

des Moudyr-Gebirges sich an die Straße heranschieben.

Vom schwarzen Wüstenlack üb erzogenen Felstäler begleiten uns bis zur Arak-Schlucht.

 

Hier ist die Straße in ihrem schlechtesten Zustand. Wir weichen auf die Wüstenpiste aus und

erreichen das Grab des islamischen Heiligen Moulay Lassane.

Mehrmaliges Umfahren seines Mausoleums soll dem Saharafahrer Glück bringen.

 

Der fast ständig wehende Wind und die großen Tag-Nacht-Temperaturunterschiede haben hier

die riesigen Granitfelsbrocken zu bizzaren Fabelwesen geformt.

Später taucht der große Felskegel von Ain Ecker auf, in  den man Stollen trieb, die zur

Entwicklung der ersten französischen Atombombe diente.

Noch heute zeugen gespenstische Stacheldrahtzäune, Hochspannungsleitungen und zerfallene

Baracken von diesem Projekt. Das Gebiet ist voll vermint.

 

In  Ain Amguel sehen  wir zum ersten Mal seit Ain Salah wieder Menschen, schwarzhäutige

Tuareg, sogenannte Haratin.

 

Es macht einen großen Knacks und wir haben den Wendekreis des Krebses überquert........

 

Bei langsamer Fahrt können wir in  Ruhe die Vegetation  betrachten, Wüstenkürbis, Satansapfel,

Tamarisken , Mimosenakazien und den genügsamen Talabaum.

 

Bevor wir Tamanrasset erreichen, übernachten wir noch einmal in der Wüste, mit Blick auf die

Basaltschlote und Felsnadeln des Hoggar-Gebirges.

 

Vor Tam begegnen wir einer Tuareg-Karawane auf schlanken Reitkamelen, sie ziehen  zu einem

Fest nach Abalessa. Frauen und Kinder fahren im Geländewagen hinterher.

 

Bei den Tuareg, den Rittern der Wüste herrscht das strenge Matriachat. Die Frau sucht sich den

Mann aus und lebt ein Jahr auf Probe mit ihm.Nur sie kann ihn verstoßen (von hier kommt der

Ausspruch: ich schicke dich in die Wüste), die Kinder gehören zum Stamm der Mutter. Sexuelle

Freizügigkeit wird nur der Frau zugebilligt, niemals dem Mann. Verschleiert sind nur die Männer,

sie tragen den Kopfschleier - den Schesch  und den Gesichtsschleier - den Litham.

Die Freundlichkeit und der Müßiggang dieser Menschen schaffen eine gelöste Atmosphäre.

Die Sozialstruktur der Tuareg gilt bis in  die heutige Zeit unverändert: Adelige, Vasallen, Sklaven. 

Das Hoggar-Gebirge ist vulkanischen Ursprungs und die von weitem sichtbaren Basaltschlote, die

absolut vegetationsfreie Landschaft, die Trostlosigkeit und die unbeschreibliche Stille lassen den

Gedanken an eine Mondlandschaft aufkommen.

Im wechselnden Licht der untergehenden Sonne leuchten die Berge des Hoggar von rot bis schwarz.

 

Unser morgendliches Ziel ist die Einsiedelei des Paters Charles de Foucauld auf dem Assekrem.

 

Charles de Foucauld, ein ehemaliger französischer Offizier, hat lange Zeit in Tamanrasset gelebt.

Er hat sich der Erforschung der Tuareg-Geschichte verdient gemacht und wir  noch heute von ihnen

verehrt. 1902 wurde Foucauld aus Versehen  bei einer Auseinandersetzung mit den Senoussi

erschossen, sein Herz ist in Tamanrasset und sein Körper in  El Golea begraben.

Die Piste im Hoggar ist so schlecht, dass wir nur etwa 60 km in  dieses Gebiet hineinfahren können.

Wir erreichen die Einsiedelei nicht.

 

Einige bergerfahrene Reisende klettern auf die nahen Gipfel und haben einen herrlichen Blick über

das gesamte Hoggar-Gebiet. Durch eine Felsschlucht sehen wir drei Kamelkarawanen auf uns

zukommen, wie sich herausstellt, Salzkarawanen der Tuareg zum Niger.

Wir fahren zurück nach Tam  und machen  einen  Bummel durch die Stadt, heute ist Freitag, der

moslemische Sonntag, wir können nichts kaufen und unser Taschengeld wird geschont.

Nun geht es wieder zurück in nördlicher Richtung über die gleiche schlechte Straße über Ain  Amguel,

Ain Ecker, durch diem Arak-Schlucht nach Ain  Salah.

 

Ain Salah macht wieder seinem Ruf alle Ehre, die sandsturmreichste Oase der Sahara zu sein,

55 Tage im Jahr. Wir befahren die fast nackte Kalkhochfläche des Plateau de Tademait in

Richtung El Golea.

 

In  El Golea befindet sich die älteste katholische Kirche der Sahara. Neben der Kirche ist das Grab

des Charles de Foucauld, außerdem zwei Gräber deutscher Sahara-Reisender.

Eine Gemeinde gibt es hier nicht, die Kirche wird von einigen  Schwestern  betreut und die einzigen

Besucher sind vorbeiziehende Touristen.

Sehenswert ist das aus dem 10. Jahrhundert stammende Ksar. Von hier aus hat man einen herrlichen

Blick auf den Ort, der unter Dattelpalmen, Eukalyptusbäumen, Orangen-Oliven-Feigen-und

Mandelbäumen versteckt ist.

                                                    

 

Durch trostlose Steinwüste geht es in Richtung Ghardaia, der Hauptstadt des M'Zab.

Streng nach einem besonderen islamischen Sittenkodex lebende Mozabiten bewohnen die 5 Oasen

des M'Zab, die sich hier im 12. Jahrhundert ansiedelten und eine autarke Städterepublik schufen.

 

In  der Heiligen Stadt Beni Isguen dominiert auch heute noch das mittelalterliche Gepräge,

verschleierte Frauen, Männer in Pluderhosen, fensterlose Häuser, selbst die Stromzähler sind

an der Außenwand der Häuser angebracht, um keinen Fremden ins Haus lassen zu müssen.

In  den Gassen der Stadt ist das Rauchen streng verboten, Nahaufnahmen  von  Menschen 

nicht erwünscht und nach 17 Uhr werden alle Tore geschlossen, Fremde dürfen sich dann nicht

mehr in der Stadt aufhalten.

Die weiß-blauen Häuser scharen sich stufenförmig ansteigend um die am höchsten Punkt

liegende Moschee, deren Minarett die Pyramidenfo0rm des Ortes wiederholt.

 

Wir übernachten vor dem Thermalbad in  Zelfana.  Hier hatte man  vor Jahren nach Öl gebohrt

und Wasser gefunden.Mit 42 Grad kommt es aus der Erde, leider gibt es in dieser Oase

kein kaltes Wasser.

 

Auf guter Straße geht es nach Ouargla, der Hauptstadt des Sahara-Distrikts.

Männer bieten am Straßenrand die hier reichlich zu finden de Sand-oder Wüstenrose an, eine

vielförmige, dekorative Gipskristallisation.

Auch der Markt in Ouargla quillt über vor Sandrosen, die Wahl fällt schwer.

 

In Touggourt machen wir Halt beim  Denkmal der ersten Sahara-Durchquerung in Automobilen

im Jahre 1924.

Nun begleiten uns die hellen Dünen des östlichen Erg. Erst nach Besteigen  der Dünen sieht man

in  die in tiefe Trichter eingesetzten Palmengärten, bei deren Ausschachtung die Sandrosen gefunden

werden.

Die Holzarmut des Gebietes bestimmt die Architektur, Tonnengewölbe aus verputzten Lehmziegeln

und aus ineinander verhakten Sandrosen.

 

In El Oued, der Stadt der tausend Kuppeln besuchen wir das sehr interessante Sahara-Museum und

den farbenprächtigen Markt.

 

Es wird still unter uns, wir nehmen Abschied von den bunten Oasen mit ihren freundlichen Menschen,

den malerischen Dünen, den öden Flächen und steilen Gebirgen.

Wir werden uns nach der Stille  und der Großartigkeit der Wüste sehen, wenn  der Lärm unserer

Städte in unseren Ohren dröhnt.

Wir nehmen Abschied von der Sahara, einige sagen Auf Wiedersehen................

Kairuan/Tunesien:

                                

   

 

Reise Nr. 32 von Rotel-Tours, Tittling bei Passau  Dez.80/Jan.81

   "              "               "                                             März/April 82

 

S A H A R A

 

Sahara, Land der Sonne

Freiheit bis zum Horizont

Dein Reichtum ist die Stille

Melancholie Dein Lied.

 

Sahara, Land des Lichts

Tausend Himmel voller Sterne

Orion, zeig mir den Weg

in den großen Süden .

 

Sahara, Land voller Leben

Spuren im Sand,

der Wind löscht sie aus.

Glückliche Einsamkeit.

 

Sahara, Land der Stille

meine Gedanken sind tief

ich höre Dir zu.

wenn Du schweigst.

 

Sahara, Land der Träume

Insel und Fata Morgana

Du malst meine Seele bunt

Du lehrst mich das Erkennen.

 

Sahara, Land der Sehnsucht

Meine Tränen sind Deine Quellen

Mein Durst ist groß

Ich küsse Deinen Staub.

 

Sahara, Je reviens.

 

 

 

A. Poggensee

tz für Copyright-Informationen.
Bei Fragen oder Unklarheiten im Zusammenhang mit dieser Website, wenden Sie sich bitte an [Projekt-E-Mail].
Stand: 01. Oktober 2009.