Übersee-Feldwies

Urlaub mit Tanna am Chiemsee

Vom 24.07.95 – 18.08.95
(38 Seiten!!!)

Eine schwere Zeit lag hinter uns. Peters Tod, Alexandras Vater, hatten wir alle noch nicht verkraftet.

So beschlossen wir, dass ich mit Alexandra Urlaub machen sollte.

Ein Urlaub auf einem Bauernhof mit vielen Tieren, ja das wäre das Richtige für Alex. Hat sie doch ein ganz besonders gutes Verhältnis zu Tieren.


Am 23.07.95 ging es los. Ein tränenreicher Abschied, aber schon am Ende des Linger Wegs legte die Plaudertasche Alexandra los und sollte bis Würzburg nicht innehalten.

In Höhe von Lüdenscheid: "Oma, kann man von hier aus den Chiemsee sehen?" "Doch, wenn Du das Fernglas aus Deiner Tasche holst, kann es schon sein."

Für die lange Fahrt hatte ich ihr eine Tasche mit Spielen, Malstiften, Süßigkeiten und eben auch diesem Fernglas gefüllt, damit die Zeit nicht so lang würde.

"Oma, was sind das für Autos mit den gelben Nummernschildern?"

"Das sind Leute aus Holland."

"Meine Güte, alles Autos aus Holland, ich sehe nur noch gelbe Nummern. Oma, warum fährst Du jetzt langsamer?"

"Es ist eine Baustelle und da muss man langsamer fahren, auf den Schildern steht, wie langsam ich fahren muss."

"Warum ist das eine Baustelle?" " Die Straße ist kaputt und sie wird deshalb repariert." Kleine Pause.

"Oma haben die Holländer die Autobahn kaputt gemacht? Kann schon sein." Eine nachdenkliche Pause - endlich.

"Oma, wenn die Holländer und die Frankreicher, die Straße kaputtmachen, sollen sie das auch bezahlen." Guter Vorschlag.....

Erste Pinkelpause in Herborn mit kleinem Imbiss und Trinken.

"Oma, es ist wirklich gemütlich mit Dir, so schön habe ich es mir nicht vorgestellt." Donnerwetter.

"Oma, diesen Bus haben wir schon oft gesehen, der macht immer Pause, wenn wir auch Pause machen. Was steht da drauf?" " Der Bus heißt Weltenbummler." " Was ist Weltenbummler, Oma?"

Ach du liebe Zeit, jetzt geht das Erklären los.

"Oma, ich glaube jetzt ist Mittag. Sollen wir was essen?"

"Klar, ganz wie Du möchtest, Du darfst bestimmen. Wir suchen uns aber ein Plätzchen mit Bank und Tisch, damit wir es uns so richtig gemütlich machen können. Ich habe alles mit, sogar eine Tischdecke. Du sagst mir einfach Bescheid, wenn ein blaues P kommt, dann gehen wir runter von der Autobahn, das ist nämlich ein Parkplatz und dort sind meistens B„nke und Tische zum picknicken."

"Oma, wie sieht ein P aus? "Ach ja, Du kannst ja noch nicht lesen. Weißt Du dann zeige ich Dir eines und später weißt Du dann immer, wenn ein Parkplatz kommt."

Wir finden einen schönen sonnigen Parkplatz, ganz wie wir es wollten mit Bänken, Tischen und sogar einem Klo.

Die weiße Tischdecke raus, Kissen auf die Bank und den Kartoffelsalat, die Putenschnitzel aus der Kühltasche. Es war eine glänzende Idee von Ulla, uns diese Kühltasche mitzugeben.

Es gab noch Kaffee zum Nachtisch, natürlich Caro-Kaffee und Windbeutel mit Cremfüllung. Richtig komfortabel.

"Oma, neben uns essen Leute, die sprechen anders, sind das Bayern?" "Nein, das sind Holländer" "Oma, eigentlich könnte man jetzt zu Deutschland Holland sagen, denn alle Holländer sind hier und in Holland sind die Deutschen, stimmt's Oma?" " Ja, so könnte es sein."

Wir sind in Höhe Würzburg - meine Quasselstrippe schläft endlich ein.

Ruhig ziehe ich meine Bahn. Leider nur eine halbe Stunde, denn meine liebe Tana ist aufgewacht, sie hat wohl Angst, was zu versäumen.

"Oma, sehen die Bayern anders aus als wir?" "Nein, sie sehen genauso aus wie wir, nur sie sprechen etwas anders."

"Oma, da vorne ist ein Pferdeanhänger. Das ist bestimmt der Bauer Lindlacher, der kommt uns abholen."

Tankstop an der Raststätte Spessart. Wir trinken etwas, ich Kaffee, Tana will einen Diesel und wird von der Kellnerin aufgeklärt, hier heißt der Diesel Spezi.

"Oma, die ist aber dick, sind alle Bayern so dick ?"

"Oma, da sind ja braune Kühe, warum sind die braun ?" "Ganz einfach, das sind Kakaokühe. Schau mal da die Kirche die hat einen runden Turm, das sind die Kirchen mit den Zwiebeltürmen."

Wir erreichen München und ich fahre auf die Autobahn nach Salzburg.

"Oh Oma, ich freue mich schon so auf den Urlaub." Ruhige Pause. Schläft sie ? Nein, im Rückspiegel sehe ich, sie weint leise vor sich hin.

"Tana, soll ich halten, willst Du etwas trinken ?"

"Nein, ich will nach Hause, ich will zu meiner Mama." Oh je, das hatten wir alle befürchtet. Was nun.

"Tana, ich erkläre Dir das jetzt, Du weißt doch, das geht nicht, wir sind schon so weit von zu Hause weg, wenn wir jetzt zurückfahren, dauert es genau wieder so lange. Gleich halte ich und dann drücke ich Dich ganz feste und dann sind wir auch schon bald da. Du wirst sehen, wenn Du den schönen Bauernhof siehst und die vielen Tiere, dann freust Du Dich bestimmt ganz doll, dass wir weitergefahren sind." Wir halten an der nachsten Raststätte. Wir knubbeln uns, drücke mein Schätzchen ganz fest, sie trinkt was und schon ist meine Tana wieder ein fröhliches Kind, wie bisher. " Oma, fahren wir noch lange?" "Nein, wir sind schon in Rosenheim und dann kommt gleich der Chiemsee."

"Oma, am schönsten finde ich, ist es in Schweinfurt."

Auf der Fahrt wollte sie jedes Hinweisschild erklärt haben und die Ortsnamen musste ich ihr vorlesen. Es gibt schon ulkige Ortsnamen und Tana gefiel besonders gut der Name Schweinfurt. "Oma, wir haben es immer mit Schweinen zu tun, in Herdecke gibt es doch Papierkörbe, da steht drauf, nur Schweine werfen daneben." "Ach ja, das hatte ich Dir mal vorgelesen." "Ja, Oma und vielleicht haben die Lindlachers ja auch Schweine." "Vielleicht."

"Gleich sind wir da, schau mal Tana, ich bin auch froh, wenn wir da sind, es war doch schon eine lange Fahrt. Wir haben aber auch viele Pausen gemacht, ich glaube acht Pausen waren es. Aber wir haben ja Zeit. Nur keinen Stress." "Genau, Oma."

"Oma, woher weiáßt Du, wenn wir da sind?" "Es steht dann Übersee auf dem blauen Schild." "Tana, schau mal nach links, da ist schon der Chiemsee."

"Och, der ist aber tausendmal größer als der Harkortsee."

Wir fahren nach Übersee und fragen gleich eine Radfahrerin nach der Moosner Str.

Sie antwortet auf bayerisch, es ist gleich die nächste Straße und Lindlachers, da gibt es viele in Übersee, sagt sie uns.

Tana hat nichts verstanden. Wir fahren und finden die Nr. 71 nicht. Die Bahnschranke finden wir, aber einfach nicht die Nr. 71. Ein Mann sagt uns, dass der Bauernhof etwas von der Straße weg liegt, wir finden ihn dann auch sofort.

Tana sieht sofort die Kakaokühe und die Pferde auf der Weide, eine Hühnerschar mit Hahn ist sofort um uns und die Bäuerin kommt und zeigt uns das Zimmer. Na ja, Firstklass ist es nicht, aber sehr groß mit einem ganz langen Balkon, mit vielen Blumen, einer langen Bank und Tisch.

Ein riesiger Schrank, ein kuscheliges Doppelbett mit Plusterbetten, ein Tisch, vier Sessel, eine Frisierkommode und ein Waschbecken. Etagendusche und Etagenklo ist zwar nicht mein Fall, aber Tana ist glücklich und strahlt.

Wir fahren erst mal in den Ort, um uns zu orientieren, wo wir hier sind. Schauen uns den Ortskern an, fahren zum Schwimmbad, es ist nicht besucht, es ist etwas frisch und es nieselt etwas. Tana ist putzmunter, sie lernt die anderen Kinder kennen, Dennis, Martin und Angela.

Wir essen beim Hinterwirt, den Namen hatten wir von Uwe gehört, er hatte uns eher den Gasthof Jobst empfohlen, aber da ist zu. Beim Hinterwirt sitzen wir draußen, es ist geschützt und man kann es gut aushalten. Es gibt Käsespätzle, Kinderschnitzel, Pommes und Salat. Wir schaffen doch nicht alles und lassen uns das Schnitzel einpacken.

Wir fahren zurück und Tana und ich gehen um 22.00 Uhr ins Bett. Ich lese ihr noch den gestiefelten Kater vor und schwupp ist sie eingeschlafen.

Morgens um 5.30 Uhr, nein da ist die Welt nicht in Ordnung. Tana macht mich wach, sie ist voll angezogen und will in den Kuhstall beim Melken zusehen.

Mich trifft fast der Schlag. Ich habe Mühe, ihr zu erklären, dass die Bäuerin noch nicht aufgestanden ist und es viel zu früh ist.

Endlich sieht sie es ein und legt sich wieder hin.

Um 7.00 Uhr, der Milchwagen ist gerade abgefahren, ist sie nicht mehr zu halten.

7.45 Uhr, ich putze mir gerade die Zähne, höre ich Tanas Redeschwall, irgendjemanden erzählt sie, dass sie mit der Oma hier Urlaub macht. Da brüllt sie auch schon unter dem Balkon: "Oma Frühstück !"

Ich schaue runter, da steht sie mit einem winzigen Katzenbaby auf dem Arm und erzählt mir von Kälbern, Kühen und Pferden.

Wir gehen frühstücken, sie verputzt eine Menge, stopft regelrecht und ehe ich es merke, ist sie schon weg, mit den anderen Kindern raus.

Ich finde sie in der Bauernküche bei der kleinen Katze, dann ist sie im Kuhstall, ich gebe es auf, nach ihr zu suchen, sie ist regelrecht aufgedreht, es ist das Paradies für sie. Ungekämmt, die Zähne nicht geputzt und wie ich erst jetzt sehe, mit Pantoffeln ist sie unterwegs und stürmt über den Hof, die letzte Ecke zu erkunden. Sie ist einfach selig, sie findet die Kinder toll und will nicht mehr weg. Sie ist nicht zu locken, mit in den Ort zufahren, sie will hier bleiben.

Also fahre ich alleine zum Verkehrsamt bezahlen. Ich verhandele und will für Tana wenigstens etwas vom Preis reduziert haben, aber sie lassen sich auf nichts ein, es sei ein Doppelzimmer und sehr groß, eine Ermäßigung sei nur bei zwei Erwachsenen möglich. Als ich zurückkomme, macht mir Frau Lindlacher den Vorschlag, pro Tag für Alexandra DM 5,00 zurückzugeben. Auch erklärt sie mir, bei ihr zu buchen sei billiger. Über das Verkehrsamt kostet es pro Person DM 24,90 und bei ihr direkt gebucht DM 22,00.

Das wird ein Urlaub werden, Tana ist nicht aus den Ställen und Wiesen wegzubringen. Gerade höre ich, dass sie 35 Kühe und 6 Kälber haben, 6 Pferde und 3 Fohlen.

Der Bauer sägt Holzpfähle für Zäune. Es ist Mittag, aber Tana hat keine Zeit zum Essen. Sie hat sich im Zimmer schon selbst aus der Kühltasche bedient. erzählt sie mir, sie hat Zitronentee getrunken und Melone gegessen.

Endlich hat sie die Pantoffeln gegen Turnschuhe getauscht.

Ich muss mir die Pantoffel ansehen, sie sind bestimmt voll Kuhscheiße.




25.07.95

Urlaub auf dem Bauernhof Lindlacher - Animation im Robinson - Club ist ein Dreck dagegen..............

Ausschlafen - Fehlanzeige, bereits um 7.00 Uhr ist Tana im Kuhstall. Sie kennt jeden Winkel, fast schon besser als die Bäuerin.

Heute ist Maniküre angesagt, nicht bei Tana, nein bei einer Kuh. Sie wird in ein Gestell gehängt und mit einer Schleifmaschine werden die Hufe abgeschliffen.

Zu allen Aktionen ruft die Bäuerin die Kinder zusammen und sie erklärt ihnen alles. Ein Kälbchen hat sich ein Bein gebrochen.

Alles in den Stall. Ein Stress ist das. Die Mutterkuh hat sich ungeschickt bewegt und ist auf das Kälbchen getreten, dabei ist es passiert.

Frau Lindlacher kommt aus dem Ort zurück, sie hat Schaufeln für den Sandhaufen und zwei Schaukeln gekauft.

Herr Lindlacher holt den Trecker und kippt drei Ladungen Sand unter den Birnbaum.

Was baut Tana im Sand - das Fußballstadion von Borussia Dortmund, natürlich wird schnell eine BVB-Fahne gemalt und hineingestellt. Schon ist der Streit da, einige sind für Werder Bremen, einige für Mönchen-Gladbach.

Angela holt Bilder von Beckenbauer, sie hat ihn mal getroffen und hat ein Autogramm von ihm. Da wird es Tana schlecht.

Schließlich hat sie so viel Überzeugungskraft, dass alle zum BVB umschwenken, zumal der BVB auch gerade das Spiel gegen Kaiserslautern gewonnen hat.

Sie ist eben eine ausgesprochene Führernatur, sie ist Überall gleich der Boss. Obwohl die anderen Kinder älter sind, kommandiert sie diese und alle gehorchen ihr auch widerstandslos.

Um die Schaukel herum ist das Gras ziemlich hoch, sofort ist Herr Pauli zur Stelle und mäht rings um den neu geschaffenen Spielplatz alles kürzer, kurzerhand werden auch alle Büsche zusammengebunden und die Kinder haben einen schönen schattigen Platz.

Es ist wieder was los, alle rennen zum Kuhstall. Herr Lindlacher erklärt ihnen, dass einige Rinder in die Türkei verkauft werden, dazu werden sie jetzt geduscht, damit sie frisch und sauber in den Zug kommen.

Na ja, denke ich, wenigstens die Kühe - Tana findet Duschen überflüssig, sie hat dazu keine Zeit...........

Verflixt, meine Sonnenbrille ist hingefallen und ich muss zum Optiker nach Grassau. Tana kann ich nicht überreden, mitzukommen. Sie ist einfach im Stress, schließlich muss sie sich um die Babykatze kümmern, Kühe von der Weide holen und die Fohlen beaufsichtigen, dann muss sie noch schaukeln, Sandburgen bauen, mit Dennis, Martin und Angela die hintersten Ecken auskundschaften, Nackt-Schnecken sammeln, sich mit der alten Frau Lindlacher unterhalten und Herrn Pauli alles Wichtige von zu Hause erklären usw.

Gerade findet ein Rennen statt - mit Nacktschnecken.

Ich bin mal gespannt, ob ich sie wenigstens zu einer Schiffsfahrt überreden kann.

Herausgefunden haben wir Erwachsenen, es besteht nur eine Chance, die Kinder vom Bauernhof zu locken, wenn alle eine Tour machen, sie lassen sich sonst nicht aus ihrem Paradies Lindlacher vertreiben.

Tana kennt den Ort Übersee, nach wie vor nicht oder nur flüchtig, sie hat kein Interesse. Sie kennt nur den Bauernhof und schaut sich die Berge an.

Heute Morgen hat sie entdeckt, dass uns die Äpfel ins Fenster wachsen.

Gestern war es wieder 22.00 Uhr, aber alle Kinder waren nicht im geringsten müde, einer wartet auf den anderen, dass er ins Bett geht. Nichtsdestotrotz sind alle um 7.00 Uhr schon wieder draußen.

Nur gut, dass hier absolut nichts passieren kann, es steht alles offen, sie kann überall hin, sie weiß schon besser Bescheid als ich.

In der Scheune baut der Sohn von Lindlachers die Bühne für das große Sommerfest am Donnerstag, 75-jähriges Bestehen der Feuerwehr.

Ich sagte ja schon, der Robinson-Club ist gar nichts dagegen.

Heute Abend ist aber auch ein Fest. Am Zeller Park werden Tische und Stühle heraufgestellt. Der Vater von Dennis erklärt, dort findet heute ein Sommerfest statt.

Über Nacht ist neben der Bank, unter unserem Balkon ein Kaktus voll erblüht, eine Königin der Nacht, mit wunderschönen vielen Blüten. Frau Lindlacher erzählt uns, ich wollte sie schon auf den Müll werfen, weil sie gar nicht gut aussieht, da hat sie es sich wohl überlegt und ist in voller Schönheit erblüht.

Dennis soll mit seinen Eltern zum Einkaufen mitfahren, sogar in einen Spielzeugladen wollen sie ihn locken, keine Chance, das Schneckenrennen ist wichtiger.

Tana bestimmt, Dennis bleibt hier, basta.

Aber das Schneckenrennen hat Pause, erst müssen die Pferde auf die Weide geführt werden mit ihren Fohlen.

Ich bekomme die Aufgabe, aufzupassen, dass keiner auf die Schnecken tritt. Außerdem soll ich Bescheid geben, wenn der Nachbar Herr Pauli ruft, dort sollen sie die Stallhasen besichtigen.

Die Sonne sticht ganz schön, ich mache den Vorschlag an den Chiemsee zu fahren, keine Zeit, sie müssen zu den Hasen.

Der Vater von Martin und Angela will nach Traunstein mit dem Zug fahren, seine Kinder sollen mit, nur Angela lässt sich überreden, mitzufahren, Martin bleibt hier. Ich mache Angela noch schnell einen Zopf, wie Tana ihn trägt und sie ziehen ab.

Die Kinder könnte man wirklich alleine lassen, die sind so beschäftigt und es passiert ihnen nichts.




Gerade merke ich, dass Tana in unserem Zimmer alle mit Pflaster versorgt, sie haben nichts, finden es nur chic.

Was Tana sagt, wird eben gemacht, sie ist der absolute Boss.

Auf den Fotos werdet ihr sehen, hier bleibt alles liegen, hier klaut niemand etwas.

Tana erklärt mir gerade, dass Klaus auch alles herumliegen lasse, die Hose auf dem Sofa, den Pullover auf dem Sessel usw. Ja, ja schlechte Beispiele verderben die besten Sitten...........

Aber was soll's, im Urlaub und bei der Oma darf Tana eben alles. Sie ist schließlich im Kinderparadies Lindlacher.

Zu lustig, Herrn Lindlacher sprechen sie alle mit "Herr Bauer" an.

Die Hasen beim Nachbar Pauli habe ich mir auch angeschaut, sofort bekomme ich Johannisbeeren, frisch vom Strauch. Die Hasen sind so groß und kräftig, deshalb mache ich den Vorschlag, sie zu einem guten Braten zu verarbeiten. Heftigster Protest, niemand würde davon etwas essen.

Vielmehr ziehen alle los, Löwenzahn für die Hasen zu sammeln, damit sie noch dicker werden.

Es ist inzwischen 11.00 Uhr, die Sonne brennt ganz schön heiß, alles packt, es geht zum Strand. Die Kühltasche wird gefüllt. Tana hat in Windeseile ihre Badesachen und die Sonnencreme beisammen und sitzt schon im Auto.

Wir haben uns mit Dennis und seinen Eltern verabredet, aber der Strand ist so groß, wir finden sie nicht.

Tanas Kommentar: "Dem Dennis reiße ich den Kopf ab, wo ist der denn bloß?"

"Oma, ich gehe mir ein Eis kaufen." "Gut, aber hast Du Dein Geld mit?" "Nein, aber Du hast doch Deine Tasche mit und das ist Geld drin, für mein Geld kaufe ich mir nämlich lieber eine Luftmatratze oder ein Fischnetz, da sind nämlich ganz viele Fische im Wasser."

Sie rennt zum Strandkiosk und kommt bald wieder zurück.

"Oma, kannst Du mal mitkommen, die sprechen alle bayerisch."

Also ziehe ich mit, Tana isst ein scheußliches Wassereis und ich trinke einen Cappuccino, vorher hat Tana aber ihre Wurstbrötchen und ein Joghurt verspeist, denn richtig essen werden wir heute Abend auf dem Sommerfest.

Ständig bringt sie mir Steine aus dem See, sie will sie Zuhause auf die Fensterbank legen. Auf diese Weise werde ich eben steinreich.

Der erste Film ist voll, gleich werden wir sie zum Entwickeln nach Schlecker bringen.

Durchsage im Strandbad: Auf geht's zum Gartenfest im Zeller Park, ab 17.00 Uhr, mit Schuhplatteln, Blasmusik, Hüpfburg, Riesenschlange, Tanz und a frische Moaß.

Wieder schleppt sie Steine ran, nein es ist eine Muschel. Es wird Zeit, dass sie aus dem Wasser kommt, aber sie meint, es ist so schön warm und schön und der Bademeister passt schon auf.

"Oma, ich möchte gerne einen Hamburger." Wir gehen wieder zum Restaurant bzw. zum Strandkiosk. Plötzlich ein Geschrei, sie hat Dennis entdeckt, er sitzt mit seinen Eltern und Tante vor dem Kiosk. Oh je, die beiden zusammen und niemand braucht mehr eine Lautsprecheranlage.

Beim Essen des Hamburgers, Dennis himmelt Alex an und stellt plötzlich fest, Alex, Du hast ja noch Milchzähne.

Darauf Dennis Mutter, tu doch nicht so, Du hast doch auch noch welche.

"Alex, gehst Du auch auf das Sommerfest und auf die Hüpfburg?" Gekicher. "Alex, wenn meine Mutter da drauf geht, dann geht die Luft raus." Alle finden das komisch,

außer Dennis Mutter.

Auf dem Rückweg will ich noch für den morgigen Tag etwas einkaufen. Leider nicht möglich, Tana und Dennis wollen zuerst auf den Hof gefahren werden, sie wollen sofort zu den Hasen.

Tana bestimmt den Tagesablauf aller Kinder, frei nach dem Motto, alles hört auf mein Kommando.




26.07.95

Gartenfest im Zeller Park. Remmi - Demmi, Blasmusik, Schuhplatteln, Trachtentanz. Alle sind in Tracht und mit Lederhosen, Hüten mit Gamsbart bestückt. Tana staunt und staunt. Es ist ja alles neu für sie. Sie will alles ganz genau sehen. Wir setzen uns deshalb ganz nach vorn, in die Nähe der Blaskapelle und können es nach 2 Stunden nicht mehr aushalten, unser Trommelfell ist arg strapaziert.

Dennis ist nicht gekommen, jedenfalls haben wir ihn bei den vielen Menschen nicht entdecken können. Ja und ohne Dennis geht im Moment gar nichts. Sie will wieder in ihr Paradies Lindlacher, vielleicht ist der Dennis ja schon wieder dort.

Zu der ersten Schaukel ist nun auch die zweite Schaukel von Andreas montiert und so wird ausgiebig geschaukelt, bis 22.30 Uhr. Herr Lindlacher Kommt schon mit der Taschenlampe. Der geliebte Dennis ist immer noch nicht da. Sie gibt es auf, auf Dennis zu warten und will endlich ins Bett. Noch eine Aladin-Geschichte und schon ist Tana sanft entschlummert.

7.30 Uhr - was ist das ? Es flüstert jemand leise durch unser Türschlüsselloch: "Alex, Alex !" Ich öffne die Tür. Dennis steht draußen. "Ist Deine Schwester schon wach?" Donnerwetter, welch ein Kompliment.

Tana brüllt gleich nach Dennis, somit ist auch der letzte im Haus aufgewacht. Beide hocken sie in Tanas Bett. Ganz schnell ist sie angezogen, waschen und kämmen fällt erst mal flach, keine Zeit, die Kühe werden auf die Weide getrieben. Beide stürzen raus, Tana schreit nur noch von unten: "Oma, mach mir Frühstück, ein Kaba und ein Salami-Brötchen ohne Butter.

Eine Hektik ist das.

Dennis ist traurig, daß Tana so weit von ihm entfernt wohnt, sie in Halver, er in der Nähe von Wiesbaden. Seine Mutter meint, die Oma kann ja die Tana zu uns bringen, sie hat Zeit.

Es geht wieder zum Strand. Gestern habe ich schon eine Luftmatratze gekauft, außerdem eine Wasserpistole und ein Frisbee. Alles rein ins Auto. Kühlelemente aus der Truhe, Proviant in die Kühltasche und los geht es.

Heute liegen wir neben dem Dennis - Clan. Dennis Tante hat ein großes Gummiboot geliehen, die Kinder sollen mit. Die beiden machen skeptische Gesichter, das ist ihnen wohl nicht geheuer.

Dennis will, wenn Tana will und Tana will, wenn Dennis will.Sie können sich nicht entscheiden und schon ist das Boot ohne sie weg.

Sie vertreiben sich die Zeit mit Fische angeln und sie anschließend wieder schwimmen lassen. Dabei beobachten sie das Gummiboot. Sie haben sich überzeugt, daß es ungefährlich ist und wollen nun doch mitfahren.

Gut eingecremt, mit Mütze und Schwimmflügeln bewaffnet, durch Würstchen und Hippo - Snack gestärkt wagen sie das Unternehmen Gummiboot - und haben einen Riesenspaß.

Harald und Sandra (Tante und Onkel von Dennis) steuern das Boot. Es stellt sich bald heraus, dass Sandra besser mit dem Boot umgehen kann, als Harald. Harald gibt auf und begnügt sich mit einer Luftmatratze. Die beiden Kinder paddeln mit Sandra davon. Sie sind sogar so mutig geworden, daß sie alleine mit dem Boot paddeln, allerdings der Vater von Dennis immer nebenan auf seiner Luftmatratze. Die beiden bringen nur nichts zustande, Tana paddelt nach links, Dennis nach rechts. Das Boot dreht sich wie ein Karussell, dabei brüllen sie sich beide fürchterlich an, der ganze Strand amüsiert sich schon.

Essen bereithalten, Wasser macht hungrig. Doch Dennis und Tana wollen immer noch nicht raus aus dem Wasser.

In stark gedämpftem Ton sage ich Tana Bescheid, dass ich mal eben zur Toilette gehe, brüllt sie zurück: "Oma, wenn Du Pipi musst, das kannst Du hier im Wasser machen."

Jau - das wars.

Endlich ist sie raus, am Game-Boy von Dennis wird Tetris gespielt. Anschließend ist der Klett-Ball an der Reihe.

Das Wasser lockt immer wieder. Dennis holt sein Köschernetz und sie fangen wieder Fische, aber nur um sie wieder rein zu werfen.

"Oma, hier ist es aber sehr schön, gefällt es Dir auch so gut?" "Ja, aber ich mache mir Sorgen, weil Du immer so lange im Wasser bleibst, die Sonne ist so stark, das ist gar nicht gut für Dich."

"Ach was, Oma, das ist nicht schlimm, ich tauche doch immer unter, da ist die Sonne doch nicht."

Geschrei - Dennis hat einem anderen Kind den Fisch geklaut.

Gemeinsames Kaffeetrinken auf der Kiosk-Terrasse. Dennis und Tana entdecken Taucherbrillen. Natürlich werden sie gekauft. Völlig klar, Tana hat mal wieder ihr Taschengeld vergessen.

Jetzt aber schnell zurück zum Wasser, die Taucherbrillen müssen ausprobiert werden. Mit Tauchbrillen, Matratzen, Gummiboot und ohne Schwimmflügeln geht es wieder los.

"Oma, mit Taucherbrille kann ich doch keine Schwimmflügel gebrauchen."

Nach einiger Zeit holt sich Tana ihre Schwimmflügel doch. Ich creme ihr noch einmal das Gesicht ein.

"Alex, Du siehst richtig hübsch aus und so gesund. Der Dennis sieht aber auch hübsch aus."

Darauf Dennis: " Alex, wenn ich hübsch bin, dann mußt Du mich auch mal streicheln."

Aufbruch, es geht nach Hause. Dennis will mit uns fahren, damit er neben seiner Alex sitzen kann.

"Oma, darf der Dennis mit uns fahren?" Dennis:" Alex, warum sagst Du immer zu Deiner Schwester Oma?" Das ging runter wie Öl.

Das ist immer ein Transport, Kühltasche, viele Handtücher, Decken, Krimskrams, aufgeblasene Luftmatratze.

Mit der Oma kann man ja alles machen.

Sie wollen beide gleich zu den Pferden.

Zum Essen wollen wir zusammen in ein besonders gutes Lokal nach Staudach. Es wurde uns empfohlen.

Tana lässt sich erst durch Dennis überzeugen, etwas Schönes anzuziehen.

Eigentlich müssten beide nach dem Tag im Wasser hundemüde sein, aber Fehlanzeige. Man hört sie schon über den ganzen Hof tönen, sie erzählen Herrn Lindlacher ihre heutigen Erlebnisse.

Am Strand hat mir Tana ihre neue Freundin, Nicole, vorgestellt. Sie weiß schon alles von ihr, wo sie wohnt, daß sie schon viermal hier war und und und.......

Heute im Wasser hat sie erstmals wieder von ihrem Papa gesprochen, wie er immer geschwommen ist. Sie erzählte alles in der Vergangenheitsform. Ganz schnell war sie aber wieder bei anderen Dingen.

Ich wundere mich wirklich, sie hat absolut kein Heimweh, sie hat auch gar keine Zeit dazu. Wie gut auch, hatten wir doch alle Bedenken, ob sie überhaupt bleiben würde. Denn schon das Übernachten bei mir in Herdecke viel ihr schwer, bzw. sie musste abends noch abgeholt werden, weil sie einfach nicht schlafen wollte.

Frau Lindlacher ruft sie nur noch "Alex", sie meint, Alexandra wäre eher ein Junge. Alle mögen sie sehr.


27.07.95

Es geht mit dem ganzen Dennis-Clan zum Essen nach Staudach zum Restaurant "Zum Mühlenwinkel".

Dort soll ein Hirschgehege sein und ein Spielplatz und es ist viel Platz, damit die Kinder rumtoben können.

Dennis will wieder mit uns fahren, zusammen mit seiner Freundin Alex.

Zuerst muss aber die aufgeblasene Luftmatratze aus dem Auto, Tana stellt sie an den Birnbaum am Sandplatz.

Kurz hinter Lindlachers steht ein Kruzifix an der Straße.

Tana zeigt es dem Dennis.

"Dennis kuck mal dazu sagen die hier Gott."

"Ne Alex, das ist, glaube ich, der Jesus."

"Nein das ist der Gott."

"Ist mir auch egal."

"Mir auch Dennis, ich bin sowieso nur für den BVB."


Bei dieser Unterhaltung im Fond meines Wagens hat es mich schier zerrissen. Dass sich schon zu dieser Zeit das Bundesverfassungsgericht mit dem Kruzifix-Problem in Bayern beschäftigte, wusste ich nicht. Die Kinder lösten es auf ihre Weise. Wie heisst es doch in einem Lied vom Grönemeyer: Lasst die Kinder an die Macht....

Am Tisch erklärt Tana der Kellnerin erst einmal, was sie möchte - Pommes schwarz-gelb.

Die Kellnerin versteht Bahnhof. Tana erklärt es ihr, das sind nämlich BVB-Pommes = verbrannte Pommes mit Majo.

Ist doch ganz einfach oder?

Im Lokal haben wir mal wieder die Lacher auf unserer Seite.

Beide haben ihre Bestellung aufgegeben, mal sehen, was dabei rauskommt und sind schon bei den Rehen draußen. Ab und zu erscheinen sie, um ihre Spezi zu trinken.

Es sind die liebsten Kinder, sie dürfen ja auch alles.

An der Theke haben sie Lollys bekommen, so sind sie vollwertig ernährt.

Übrigens die Pommes waren in Ordnung und nicht verbrannt, dafür mit Majo und Ketchup.

Auf dem Rückweg fährt Dennis mit seinen Eltern. Tana brüllt aus dem Auto ihm noch etwas zu, er hört nicht.

Kommentar Tana: "Schreien kann er gut, aber hören kann er schlecht."


Dennis kommt nicht mit zum Bauernhof, sie fahren noch zu seiner Tante, die in Baumgarten wohnt. (Baumgarten 31 bei König, es ist auch ein Bauernhof und soll besser eingerichtet sein)

Wir wollen noch Briefe einwerfen an der Post, es sind nur 200 m von Lindlachers, das ist Tana zu weit. Sie will erst zum Bauernhof.

"Oma, ich kann dann ja an der Bahnschranke aussteigen, dann bin ich eher bei Lindlachers."

"Nein, Du fährst mit, dann kannst Du mal Deine Mama anrufen." "Oma, das kostet nur Geld, der Brief ist genug." Es ist auch ein Kartentelefon, wir haben keine Karte und müssen es lassen.

Es wird wieder unendlich geschaukelt, die Katze herumgetragen und an Schlafen ist nicht zu denken. Es ist mal wieder 22.00 Uhr. Frau Lindlacher macht ihr den Vorschlag, doch bei den Fledermäusen zu schlafen, na da zieht sie dann doch ihr Bett vor.

Um 7.30 Uhr ist sie schon wieder aus dem Bett, runter und in den Pferdestall, Dennis hinterher, das dunkle Fohlen wird für eine Ausstellung hergerichtet, gebürstet, die Mähne geflochten und in den Wagen gezogen. Vor Aufregung scheißt es dem Bauern auf die Hose. Gut, dass die beiden die bayerischen Flüche nicht verstehen können.

Frau Lindlacher erklärt ihnen, dass fünf Fohlen von ihnen, heute berühmte Zuchtstuten sind.

Endlich kommen beide zum Frühstück. 2 Tassen Kaba mit frischer Milch von den Lindlacher-Kühen und ein Brötchen mit Salami, für mehr hat Tana keine Zeit.

Sie müssen beide wieder in den Kuhstall.


Einkaufen kann ich mal wieder alleine, Tana kennt den Ort immer noch nicht. Ich bekomme den Auftrag, Spezi einzukaufen und Hippo-Snacks und Joghurt, Würstchen und Kartoffelsalat.

"Weintrauben haben wir noch Oma, vergiss den Spezi nicht!" brüllt sie aus dem Kuhstall.

Morgen fahren Dennis und seine Eltern nach Hause. Das gibt Tränen, sie tauschen Anschrift und Tel.Nr. aus und wollen sich anrufen und Bilder schicken.

Wenn ein Kuh-Bild mit Tana gut geworden ist, will ich ein T-Shirt drucken lassen.

Es geht zum Strand, das ist immer ein Transport, Bollerwagen mit Kühltasche, Strandtasche, Decken und Tana auf dem Kopf die aufgeblasene Luftmatratze, richtig idyllisch. Aber so machen es alle. Der Strand hat herrliche alte Bäume und große Rasenflächen. Schatten gibt es genug, aber die beiden sind schon wieder im Wasser.

Tana fängt Fische, das heißt bis jetzt nur Steine, die Fische sind schlauer, die sind lange geflüchtet.

Fast Ehekrach. "Immer wenn ich ins Wasser will, willst Du nicht und wenn ich nicht will, willst Du."

"Vertragt Euch, Dennis ist morgen nicht mehr da, dann steckt er im Stau auf der Autobahn."

Gleich soll es Gewitter geben. Es ist aber erst 15.00 Uhr, sonst bleiben wir bis 17.00 Uhr.

Schade, heute ist Bayernfest mit Schuhplatteln.

Wir wollen alle hin, der letzte Abend mit den Dennis-Leuten.

Auf diese Art lernt Tana mal wieder ein Stück von Übersee kennen.

Endlich hat Dennis Tana überredet, aus dem Wasser zu kommen. Dabei werden die letzten Bilder des zweiten Films verbraucht. Tana schwimmt jeden Tag weiter raus, sie wird immer mutiger, aber alle sagen mir, dass ca. 100 m das Wasser noch ganz flach ist und man bequem stehen kann und der Bademeister passt sehr gut auf.




Ich möchte so gerne auf die Herreninsel, aber Tana pendelt nur zwischen Bauernhof und Strand.

Das Wasser wird grün und hat schon größere Wellen. Ich muss versuchen, Tana aus dem Wasser zu locken.

Es ist Urlaub und sie darf völlig alleine entscheiden. Ihre Wünsche stehen im Vordergrund.


28.07.95

Zeltfest mit der Gruppe "Original Grenzland-Sextett", bekannt durch TV-Sendungen, wie Musikantenstadl ect.

Da ich diese Art Sendungen mir nicht ansehe, waren sie mir völlig unbekannt und sie reißen mich auch nicht vom Hocker.

Alle anderen im Zelt denken darüber offensichtlich anders, sie stehen auf den Bänken und sind reineweg aus dem Häuschen. Tana und Dennis sitzen in der ersten Reihe in dem Höllenlärm, der aus den riesigen Boxen dröhnt. Sie sind dort nicht wegzubringen, das heißt sie hören uns ja auch gar nicht.

Vorher haben wir uns beim Hinterwirt gestärkt - Abschiedsessen mit dem Dennis-Clan.

Es blitzt und donnert und schüttet. Wir sind die einzigen Schlauen mit Regenbekleidung.

Tana: "Warum steht vor dem Zelt die Feuerwehr?" "Wenn etwas bei dem starken Gewitter passiert, retten die uns, hoffentlich." Nicht auszudenken bei dem rappelvollen Zelt.

Endlich um 22.00 Uhr sind unsere Kinder geschafft oder haben vielleicht Löcher in den Ohren. Gähnend kommen sie an unseren Platz und wollen nach Hause.

Über den inzwischen stockdunklen Platz führt mich Tana an der Hand, damit mir ja nichts passiert und ich nicht falle.

Abends in einem Geschäft hat sie zwei sehr schöne schwarze kurze Hosen entdeckt. Ich bin in dem Glauben, ich habe einen Hunderter in der Tasche, greife ich rein, es war aber nur ein Zehnmarkschein, trotzdem kaufe ich die Hosen.

Im Zelt hatte ich so nach dem Essen beim Hinterwirt nur noch abgezähltes Kleingeld, es reichte gerade für den Eintritt von DM 10,00 und ein Spezi.


Tana bekam noch einen tollen Stempel als Eintrittskarte auf die Hand, es besteht jetzt allerdings die Gefahr, dass sie sich die Hände nun auch nicht mehr wäscht.

Im Zimmer angekommen, ist sie wieder munter und ich muss ihr noch eine Geschichte erzählen.


Frühstück - das letzte mit Dennis.

Tränenreicher Abschied.

Die Mutter von Dennis:" Dennis heulst Du wegen der Kühe?"

"Nein wegen Alex. Alex kommst Du im nächsten Jahr wieder hierher ?"

"Ja, aber nur hierhin nach Lindlachers."

Winken und Dennis ist weg.


Durch das Gewitter gestern ist es etwas kühler geworden.

Wir beschließen, mit der Seilbahn auf die Kampenwand zu fahren. Doch erst muss wieder Geld geholt werden, gestern waren wir ja pleite.

Tana entdeckt schon wieder etwas für sich, tolle Schuhe mit Klettverschluss.

"Oma bitte, bitte." " Alexandra, ich laufe in 10 Jahre alten Latschen und Du willst schon wieder was Neues."

Es musste aber sein, die Sandalen lösen sich langsam auf und die Turnschuhe sind kuhstallramponiert.

Donnerwetter ist die Seilbahn teuer. Was soll's, Oma zahlt. Ich habe Angst, dass es Tana schlecht wird, schließlich ist sie noch nie mit einer Seilbahn gefahren. Sie ist aber ganz begeistert und beobachtet, wie die Häuser playmobilklein werden. Wir fahren durch eine Wolke und sehen nichts mehr. Es ist saukalt, aber wir sind gut angezogen. Die Sonne kommt raus und Tana klettert und ist sehr beeindruckt.

"Oma, das werde ich nie vergessen."


Wir gehen in den Berggasthof und essen Erdbeertorte.

"Oma, das Runterfahren muss ja geil sein, da freue ich mich schon drauf."


Eine Ziege kämpft mit einer Kuh. Uns schaut sie auch sehr bedrohlich an, aber wir müssen an ihr vorbei zur Alm.

Wir wandern noch etwas, Tana klettert begeistert, ich zeige ihr die andere Seite des Abgrunds, denn dort sieht man jetzt bis Kössen in Österreich.

Es ist 13 Grad hier oben und wir sind fast die einzigen, die richtig angezogen sind, die meisten frieren schrecklich und stürzen gleich in den Gasthof.

Wir fahren wieder runter zur Talstation und sehen schon von weitem unser klitzekleines Auto auf dem Parkplatz, eben playmobilklein, wie Tana sagt.

Während der Autofahrt über Aschau zurück verhandele ich mit Tana, ob wir zum Italiener in Aschau oder Grassau gehen sollen. Ich bekomme keine Antwort, mein Schätzchen ist sanft entschlummert.

Ich fahre bis Übersee zu Lindlachers und selbst als ich den Wagen abstelle, wird sie nicht wach, also lasse ich sie weiterschlafen.

Ich wasche inzwischen einige Sachen aus und hänge alles auf den Balkon. Aus dem anderen Fenster sehe ich, dass sich Tana auch durch die heimkehrenden Kühe nicht stören lässt.

Doch kurze Zeit später sehe ich sie schaukeln mit der Babykatze auf dem Arm. Sie holt sich einen Joghurt und die Katze und sie essen ihn gemeinsam gemütlich auf der Bank vor dem Haus.

"Oma, essen wir heute Pizza ?" "Na klar."

Vorher wollen wir jedoch noch zum Zelt auf dem Sportplatz fahren, denn dort steht eine Hüpfburg.

Was ist los?

Eine Kuh ist ausgebrochen, Oma Lindlacher hinterher. Später erklärt sie uns, es ist die Kuh, die gestern auf der Weide ihr Kalb geboren hat, sie sucht ihr Kind. Die Kälber werden den Müttern gleich weggenommen und gesondert untergebracht, Kühe sind oft gar nicht fürsorglich ihrem Nachwuchs gegenüber und verletzen auch ihr Kind.

Wir fahren los, vor dem Pizzaessen aber erst zum Sportplatz.








Nach dem Regen haben sie doch die Hüpfburg wieder aufgebaut. Tana ist die Hüpfburg aber doch zu voll, die Kinder rempeln sich schon an, so setzen wir uns und schauen nur zu.

Auf dem Weg zur Pizzeria ist im Jugendhaus eine Ausstellung der Hobbykünstler aus Übersee. Die möchte ich mir gerne anschauen. Tana meutert, sie will da nicht hin. Sie geht dann aber doch murrend mit. Wider Erwarten gefallen ihr die Bilder sehr gut und sie gibt kräftig ihr Urteil ab. Zum Schluss darf sie sich noch in das Gästebuch eintragen. Sie macht es gewissenhaft mit ihrer Krakelschrift und wird gelobt. Zur nächsten Vernissage wird sie aber wohl doch nicht eingeladen.

Zum ersten Mal isst sie alles auf, sonst geht meistens die Hälfte zurück. Die Bergluft macht wohl hungrig.

Vom Tisch aus können wir die Kampenwand sehen und beobachten, wie die Wolken an den Felsen hochziehen.

Tana hat ein neues Getränk entdeckt, Radler. Ich trinke es, es ist Limo mit Bier, doch das bayerische Bier ist wesentlich dünner als unseres. Sie nimmt auch nur zwei Schluck.

Sie will wieder zum Zelt, also nichts wie hin. Bin mal gespannt, wann sie mal freiwillig um 20.00 Uhr ins Bett will. Dabei erzählt sie mir ständig - Oma - kein Stress.

Inzwischen ist die Hüpfburg abgebaut, ist doch klar, normale Kinder sind schon im Bett, nicht aber Alex.

Auf dem Heimweg erzählt sie mir, sie würde viel lieber auf einem Bauernhof leben. Ich erzähle ihr, dass das Leben auf dem Bauernhof aber mit sehr viel Arbeit verbunden ist, das könne sie ja täglich bei Lindlachers beobachten.

"Ja, aber Oma, dann müssen doch Mama und Klaus arbeiten, denn Kinder dürfen ja nicht arbeiten."

Das Schaukeln ist beendet, sie rennt mit Martin in den Stall.

Es ist wieder einmal 22.00 Uhr, ehe es ins Bett geht, ein Stückchen Aladin, etwas kuscheln und meine Tana ist im Träumeland.


29.07.95

Um 8.10 Uhr werde ich wach - mein Schlafkumpel ist schon weg. Ich suche sie in allen Stallungen. Frau Lindlacher kommt mir entgegen. "Wenn Sie Alex suchen, sie sitzt schon seit 7.00 Uhr bei uns in der Küche und versorgt die Katze." Natürlich ist sie nicht gewaschen, nicht gekämmt, die Zähne sind nicht geputzt und sie ist noch im Schlafanzug.

Kein Gedanke daran, dass sie mal kaputt bis 10.00 Uhr schläft.

Seitdem wir hier sind, ist sie weder geduscht, noch hat sie sich die Haare waschen lassen. Wenn ich es anmahne, kommt die Antwort: "Oma, kein Stress."

Nach dem Frühstück fahre ich einkaufen, Tana hat mir diktiert, was ich holen soll: Fleischwurst, Mettwurst, Joghurt, Schlangengurke und das Wichtigste, Hippo - Snack.

Anschließend machen wir mit Martin und Angela eine Wanderung von Lindlachers links den Weg vor der Bahnschranke rein und an der Tiroler Ache entlang bis links wieder der Weg endet in Richtung Zeller Park. Hier besichtigen wir den Naturschutzpavillion. Die Leiterin, eine Diplombiologin erklärt den Kindern alles sehr genau, lässt sie durch das Mikroskop verschiedene Objekte genauer ansehen, wie Tiere, Blätter ect.

Auf dem Spielplatz daneben bauen sie aus Baumscheiben ein Haus.Auch hier gibt es Schaukeln. Im Umkreis von 20 km kennt Tana alle Plätze mit Schaukeln, da ist sie eine Expertin geworden.

Es werden schon die Lokale danach ausgesucht, ob dort auch Schaukeln vorhanden sind. Kinder würden die Restaurantführer wohl umschreiben wollen.

Als wir nach dieser ausgiebigen Wanderung wieder bei Lindlachers sind, entschließt sich Tana, ihre Füße zu waschen, Donnerwetter. Ich nutze die Gelegenheit der Waschfreudigkeit und will sie überreden, doch zu duschen und gleichzeitig Haare zu waschen. Das ist entschieden zu viel. Heftigster Protest, dann droht sie, sofort nach Hause zu fahren.

"Klar machen wir, aber vorher duschen wir." Sie willigt endlich ein.

Kaum ist sie trocken stellt sie sich ihre Brotzeit zusammen - ein Brötchen mit Salami, eine Knackwurst, Joghurt und eine Flasche Orangenlimonade. Aller Protest ist vergessen, wir fahren auch nicht mehr nach Hause. Zum Haartrocknen fehlt ihr aber die Zeit.

"Oma, die trocknen beim Schaukeln." Tatsächlich, als ich runterkomme, sind die offenen Haare im Schaukelwind getrocknet, ich kann ihr einen Pferdeschwanz machen.

Wir laden Martin und Angela ins Auto und fahren alle zusammen zu den Rehen und Hirschen nach Staudach beim Mühlenwinkel.

"Toll Oma, da sind auch Schaukeln."

Alle drei schaukeln und ich sitze in der Sonne und schreibe und schreibe.................

Um 18.00 Uhr beginnt ein Handballspiel in der Sporthalle in Übersee mit dem Sohn von Lindlachers als Torwart.

Martin fragt, ob das Spiel auch im Fernsehen übertragen wird. So berühmt sind sie dann doch nicht.

Martin ist jedoch ein etwas autistisches Kind und da sind solche Fragen zu verzeihen.

Tana nimmt ihn aber wie ein ganz normales Kind an. Die Mehrzweckhalle ist erst vor 3 Wochen eingeweiht, sehr schön aus hellem Holz, sie war auch sehr teuer, wie mir später unser Herr Lindlacher erklärt, er ist Gemeinderat und hat es sicher mit beschlossen.

Das Spiel - TSV Übersee gegen FT Fulda endet 16:19 für Fulda. Tana stand die ganze Zeit mit einer Flasche Cola anfeuernd an der Bande.

"Geil Oma - echt cool."

Was war vor einer Stunde ? Genau, da wollte sie noch nach Hause fahren. So schnell ändert sich die Stimmung.

Neuerdings stehen sie an der oder neben der Bahnschranke und erzählen sich Gruselgeschichten über entgleiste Züge und wetten, aus welcher Richtung der Zug herandonnert.

Die Bahnschranke wird per Videokamera überwacht, es kann also nichts passieren, trotzdem werden sie immer wieder von uns allen ermahnt, ja vorsichtig zu sein.

"Oma, darf ich heute länger aufbleiben ?" Ich bin platt, die ganze Woche hat sie nie gefragt und ist vor 22.00 Uhr nie ins Bett gegangen und nun fragt sie auf einmal.

Sie vermisst offensichtlich nicht das Fernsehen. Sie geht gar nicht in den Fernsehraum, sie hat ja auch keine Zeit dazu.

Die Bahnschranke ist etwa 100 m entfernt, sie ist der abendliche Treffpunkt der Kinder bis spät in die Dunkelheit hinein, umso gruseliger ist es ja.

Aus dieser Entfernung unterhält sich Tana mit mir, das heißt sie brüllt wie ein Lautsprecher und findet es toll, weil es so schön schallt.

Ich mache ihr klar, dass sich die Nachbarn wegen ruhestörenden Lärms beschwert hätten (was nicht stimmt), erst dann ist sie bereit, mit ihren Kumpeln auf den Hof zurückzukommen. Alle gehorchen ihr, sie ist schließlich der Boss.

Es ist erst 21.30 Uhr und Tana will schon ins Zimmer - oh Wunder.

Sie will aber nicht ins Bett, sie will erst mal essen. 2 Würste, 1 Joghurt, ein Stück Hefezopf (von Oma Lindlacher gebacken) und ein Spezi dazu. Nebenbei erzählt sie mir die Gruselgeschichten, die sie sich an der Bahnschranke erzählen.

Eine halbe Stunde genüssliches Rückenkratzen mit der Haarbürste und mit den Fingern. Einmal Aladin und schon ist sie entschlummert. Vorher schärfe ich ihr noch ein, dass morgen Sonntag ist und sie nicht in aller Frühe zu Lindlachers in die Küche gehen kann. "Warum ?" Alles noch einmal erklärt, ob es hilft ?

So, die Glocken haben geläutet, der Hof ist gefegt, die Bäuerin hat gebadet, nun kann es Sonntag werden..........


30.07.95

Wie immer ist auch heute am Sonntag Tana schon wieder früh auf. Allerdings hat die Belehrung genutzt, sie ist nicht in der Bauernküche.

Erst lässt sie sich mal wieder kraulen und kitzeln.

Beim Frühstück sind wir meistens die ersten. Nach 2 Tassen Kaba mit frischer Milch hat Tana aber nun keinen Hunger mehr, auch aus Zeitgrnden fällt das Frühstück kurz aus, einen Bissen vom Brötchen und ab in den Stall.

Trotzdem verhungert sie nicht, die Kühltasche ist immer voller guter Sachen und im Laufe des Tages bedient sie sich und lädt auch mal die anderen Kinder zur Brotzeit ein.

Im Gegensatz zu dem abgepackten Hotelfrühstück ist hier bei Lindlachers fast alles aus eigener Herstellung, die Milch sowieso, die Marmelade kocht die Oma ein, den Hefezopf backt sie auch, die Butter stellen sie auch selbst her.

Um 9.00 Uhr wollte meine Tana mit zur Herreninsel, sie hatte sich das Buch, das Uwe uns mitgegeben hatte, angesehen und wollte unbedingt hin und sich das Schloss ansehen. Um 9.30 Uhr wollte sie schon nicht mehr.

Frau Lindlacher erzählte ihr, dass heute auch noch ein großer Trachtenumzug in Prien sei. So mache ich den Vorschlag statt von Übersee, mit dem Schiff von Prien aus auf die Insel zu fahren. Nein meine Tana will nicht, sie will lieber schaukeln.

Sie hört, dass alle wegfahren und sie dann alleine hier zurückbleiben wird.

"Oma komm, ich bin fertig, hast Du was zu trinken und zu essen mit, dann komm, ich bin fertig."

Ab geht es in Richtung Prien - zwei Autobahnabfahrten in Richtung München. Am Hafen stellen wir das Auto ab, schnell noch ein Eis auf die Hand und rauf auf das Schiff. Von der Anlegestelle auf der Herreninsel geht ein wunderschöner schattiger Weg bis zum Schloss, an dem heutigen heißen Tag ist das ein Genuss.

Gewaltige Wasserfontänen empfangen uns, das Schloss - Versailles nachgebaut - beeindruckt uns beide.

"Oma, ist das riesig und so große Fenster und Türen."

Im Innern des Schlosses sind Tana und ich fasziniert von der Pracht aus Gold, Spiegeln, riesigen Kandelabern, übergroßen Betten und Sesseln, den schimmernden Seidentapeten und gewaltigen Gobelinvorhängen. Die Spiegel sind gegenüberliegend so angebracht, dass man den Eindruck von riesiger Weite hat und sich die Kerzenkandelaber bis ins Unendliche vervielfachen. Im ganzen Schloss sind Kandelaber mit insgesamt 3000 Kerzen, zwei Kandelaber sind aus Meißner Porzellan. Die Muster dieser Kandelaber mussten zerstört werden, damit niemand sie noch einmal nachmachen kann.

Überwältigend ist der Spiegelsaal, bis vor kurzem veranstaltete man hier noch Konzerte. Leider werden diese nicht mehr durchgeführt.

Das Badezimmer mit einer 70.000 Liter fassenden Badewanne wurde erst nach dem mysteriösen Tod König Ludwigs des II. fertig gestellt.

Gezeigt wurde uns auch noch die Konstruktion des Tischlein Deck Dich. Hier wurde das Menü mit einer Winde von drei Männern betätigt durch den Fußboden direkt auf den Tisch im oberen Stockwerk gehoben. Der König war nur 8 Tage in diesem Schloss. Er ist im Starnberger See ertrunken, angeblich oder war es Mord? Er war ein guter Schwimmer.

Niemand weiß es und an dem Geheimnis, das den "Kini" umweht, verdienen alle recht gut.

König Ludwig der II. hat noch die Schlösser Linderhof und Neuschwanstein bauen lassen, außerdem noch die Schachenalm mit dem türkischen Saal.

Alle Bauten haben Unsummen verbraucht. Die Kosten aller Schlösser insgesamt haben so viel gekostet wie 2 Tage des 2. Weltkrieges. Was ist uns lieber ?


Tana hat die Schlossbesichtigung wider Erwarten gut gefallen, sie hat so etwas wahrscheinlich noch nicht gesehen. Bei der Führung durch das Schloss drängte sie sich auch immer interessiert in die erste Reihe, damit sie alles mitbekam. "Oma, die Badewanne von dem König, die ist aber viel größer als unsere in Halver."

Zurück zur Anlegestelle fahren wir mit einer Pferdekutsche, das macht Spaß.

Das Schiff kommt auch bald, wir wollen ja noch zu dem Trachtenumzug in Prien.

In Prien-Stock angekommen steigen wir sofort um in einen alten Zug, eine richtige alte Bimmelbahn, sie fährt uns in das Stadtinnere.

Der Zug sieht aus wie bei Michael Endes Beschreibung von Lukas dem Lokomotivführer. Am Bahnhof Prien angekommen hören wir schon die Blasmusik. Wir kommen zum richtigen Zeitpunkt, der Umzug hat gerade erst angefangen.

Tana hat einen Logenplatz gefunden und setzt sich kurzerhand an den Straßenrand. Aus allen Orten des Chiemgaus und sogar aus Innsbruck sind Gruppen vertreten. Sie bestehen jeweils aus einer Blaskapelle, Fußgruppen in schönen, alten Trachten die Frauen und die Männer in den typischen Lederhosen und dem Gamsbart am Hut und einem Pferdewagen, auf dem das bäuerliche Leben dargestellt wird, z.B. Korndreschen, Schmieden, Holzsägen.

Die Pferde reich geschmückt mit schönem Saumzeug mit Glöckchen.

Tana wird immer frecher, zwischendurch musste ich sie immer wieder stoppen, sie sang, zwar leise, aber hörbar das Lied vor sich hin: Zieht den Bayern die Lederhose aus!!

Nach dem Umzug waren wir aber auch beide geschafft. Die Hitze, die vielen Eindrücke, aber sie nörgelt nicht, und wir haben uns ein Eis verdient, Tana bekommt noch eine Cola dazu gegen den Durst. Wir sind wieder fit und gehen zurück zum Auto. Kaum im Auto ist mein Schätzchen auch schon sanft eingeschlafen. So kann ich ruhig und ohne Tanas Redeschwall zurück nach Übersee fahren.

Als ich bei Lindlachers parke, wacht sie auf. "Ach Oma, das Schläfchen hat richtig gut getan. Jetzt muss ich aber erst was trinken und essen."

Eine Wurst wird verspeist und ein Milchreis mit Zimt und schon schaukelt mein Mädchen wieder.

Martin und Angela sind wieder da. Von 18.00 - 21.00 Uhr spielen sie mit Andreas Lindlacher erst Handball und dann Fußball, immer mit dem Torwart des TSV Übersee, Andreas Lindlacher und seiner enormen Kondition.

Tana hat derart der Ehrgeiz gepackt, dass sie nur kurze Trinkpausen einlegt, um gleich wieder zu stürmen. Auf der Kuhweide zwischen Pferdeäpfeln und Kuhscheiße rennt sie wie eine Wilde hinter dem Ball her. Sie ist einfach nicht müde zu bekommen.

Die Chiemsee-Luft muss für sie wie Champagner sein.

Später im Bett erzählte sie mir: "Oma, mit dem Andreas kann ich wunderbar spielen, aber reden kann ich mit ihm nicht, ich kann ihn nicht verstehen. Aber Oma, morgen muss ich ganz früh trainieren, damit ich gegen Andreas eine Chance habe."

(Andreas ist 20 Jahre alt, ca. 1,90 m groß, gut trainiert, er macht eine KfZ.-Lehre bei Mitsubishi in Übersee)

31.07.95


Um 7.00 Uhr ist Tana schon wieder weg, ungewaschen und ungekämmt, wie immer oder meistens.

Später finde ich sie, sie fegt den Kälberstall aus.

Zum Frühstück erscheint sie nur kurz, um ihre zwei Kabas zu trinken. "Oma, mach mir ein Wurstbrötchen, die esse ich dann später, ich habe keine Zeit" schreit sie im Rausrennen. Die Milch wird abgeholt, sie muss dabei sein, wenn mit einem Schlauch die Milch in den Tankwagen gesogen wird.

Mit Haarbürste und Waschlappen bin ich hinter ihr her, damit sie wenigstens einigermaßen aussieht. Ihre Schuhe liegen mitten auf dem Hof und zusammen mit Martin stampft sie in einem Matschhaufen herum.

Es ist solch ein schöner Morgen, aber niemand will zum Strand, das Rumgammeln auf dem Bauernhof ist für die Kinder wohl noch interessanter als das Badeleben am Chiemsee.

Vor dem Kälberstall, schön in voller Sonne steht eine Reihe Tomatenstauden. Tana entdeckt eine rote Tomate. Frau Lindlacher erlaubt ihr, sie zu pflücken und auch aufzuessen.

Angela schwärmt für die Kelly-Family. Nun ist Tana auch dafür.

"Oma, wann ist Donnerstag? Am Donnerstag gibt es nämlich die neue Bravo und in der Bravo ist ein Poster von den Kellys drin, die muss ich unbedingt haben."

Jetzt fragte sie mich mal:" Oma, was ist eigentlich Stress ?" "Ach, in Deinem Fall ist das meistens, Ärger machen." Sie gibt sich mit der Erklärung zufrieden.

Schreiend rennt sie an mir vorbei zu den anderen Kindern: "Hallo, es kann losgehen."

Ich frage:" Was kann losgehen?"

" Ach nichts für Dich Oma."

Auf der riesigen Weide trainieren sie Fußballspielen. Heute sind die Kühe auf einer anderen Weide und die Pferde sind mit den Fohlen im Stall.

Sie unterbrechen ihr Spiel.

Es werden 5 Kälber abgeholt. Sie kommen in die kurdischen Gebiete in der Osttürkei. Der türkische Staat hat sie als Geschenk an die Kurden im Osten gekauft.

Andreas hat Mittagspause und amüsiert sich, dass die drei fleißig trainieren.

Es ist 14.00 Uhr und Tanas will immer noch nicht ins Schwimmbad. Die anderen ziehen aber los. Ihr ist der Bauernhof und die Schaukel lieber.

Die Kaninchen des Nachbars, Herrn Pauli, werden besichtigt. Er erzählt, dass auch die Frühstückseier immer frisch von seinen Hühnern stammen.

In seinem Hauseingang sieht sie ein Fahrrad.

"Och, kann ich da mal mit fahren?" Sofort macht er den Sattel herunter, aber es hat keinen Sinn, es ist zwar ein Damenfahrrad, aber doch zu groß für sie.

"Oma, kann man denn in dem Fahrradgeschäft, wo wir immer in die Straße nach Lindlachers einbiegen nicht ein Fahrrad leihen ?"

"Schon, aber es ist teuer und Du musst das Fahrrad jeden Tag bezahlen, auch wenn Du es gar nicht fährst, z.B. wenn wir am See sind. Dann bezahlst Du umsonst oder besser ich." " Ach Oma, ich vermisse das Rad so sehr." "Ach Oma, ich habe doch Taschengeld." "Das reicht nicht, aber wir fahren mal hin und fragen, was es kostet. Vielleicht haben sie auch gar kein Fahrrad für Dich."

Wir ziehen los, der Meister ist in der Werkstatt und er hat leider ein BMX-Rad in ihrer Größe. Sie ist begeistert und siehe da, sie hat sogar ihr Taschengeld mitgenommen, das erste Mal.

Wir verhandeln über den Preis, für 5 Tage zahle ich DM 30,00. Sie hat strahlend ihre DM 20,00 in der Hand.

"Lass stecken Alex, ich bezahle schon." Für heute müssen wir nichts bezahlen, es ist inzwischen schon 15.00 Uhr.

Wir sind ein Stück weiter, sie auf dem Fahrrad, ich zu Fuß.

"Oma, weißt Du was, Du bist ganz gut zu überreden, Dich behalte ich. Morgen früh, verspreche ich, schlafe ich länger und dann komme ich zu Dir rüber zum schmusen."

"Oma, da drüben ist ja das Cafe Geil (es heißt richtig Cafe Keil, aber sie nennt es immer Geil), das ist doch das Cafe, wo wir mit Dennis, Sandra und Harald waren, da gebe ich Dir jetzt ein Eis aus."

"Das finde ich aber toll." " Aber Oma, nur drei Kugeln."

Das Eis kommt und sie meint: "Oma, eigentlich hast Du ein ganz großes Eis verdient."

Sie bezahlt die Rechnung - DM 5,00, sie hatte zwei Kugeln und ich drei Kugeln, pro Kugel DM 1,00, macht zusammen DM 5,00.

Später bei jeder Gelegenheit erwähnt sie immer wieder, dass sie mir ja auch ein Eis ausgegeben hat.

Wir machen uns auf den Weg nach Hause.

Gleich Kommt Nachbar Pauli mit einem Eimer Wasser an und mit Putzlappen. Das Fahrrad wird erst mal gründlich geputzt.

Anschließend isst sie sich quer durch die Kühltasche.

"Oma, ich muss jetzt erst was essen, denn mit vollem Bauch kann man nicht Fußballspielen.

Ich spüle gerade unser Geschirr, da kommt sie ins Zimmer gestürmt und wirft sich heulend auf das Bett.

Nur ganz langsam und geduldig bekomme ich heraus, was los ist. Das Rad hat einen Platten.

Es ist zwar schon 18.30 Uhr, aber hier kann man auch nach Ladenschluss privat noch klingeln. Also schnell das Rad ins Auto und ab zur Werkstatt Hiendl. Selbstverständlich wird es repariert, morgen früh um 8.30 Uhr ist es wieder in Ordnung.

Tana hatte Angst, sie müsse den Reifen bezahlen. Sie ist erleichtert, dass sie es nicht muss.

Unterwegs erzählt sie mir, sie möchte eigentlich noch länger bleiben, es gefällt ihr so gut.

Vorsichtshalber frage ich Frau Lindlacher, es geht, wir können bleiben, aber bei Tana weiß man es nie so recht, schon morgen kann sie ihre Meinung ändern. Sie war ja auch noch nie so lange von ihrer Mama weg.

Auf dem Hof ist wieder was los, der Trecker ist kaputt und wird repariert, interessiert schaut sie zu.

Sie ist nach dem Fußballspiel so eingesaut, sie will sogar freiwillig duschen.

Alle Klamotten sind immer ziemlich dreckig, aber mit dem Express-Waschmittel von Schlecker ist alles immer fast wie von selbst sauber, wenn man es etwas einweicht ohnehin und auf dem Balkon steht ein Wäschetrockner. Bei gutem Wetter ist alles schon über Nacht wieder in Ordnung.

Es ist 21.30 Uhr, ich hoffe das Fußballspiel endet bald und sie kommt duschen.

Der Trecker tuckert vorbei. Wer sitzt hoch oben und strahlt, meine Tana. Zum ersten Mal darf sie mitfahren, Andreas fährt sie über den Hof, die Weide und bis zur hinteren Scheune. Sie ist richtig stolz.

Nun geht sie sogar freiwillig duschen.


01.08.95


Um 7.30 Uhr ist sie schon wieder im Kälberstall.

Das versprochene Schmusen ist ausgefallen.

"Oma, wir müssen schnell frühstücken, denn wir müssen ja das Rad abholen.

2 Kabas, einen Bissen vom Brötchen, das war's. Später noch ein Joghurt mit Cornflakes.

Das Rad ist fertig, ein ganz neuer Reifen wurde aufgezogen.

Ich hole noch Bilder ab, leider sind die Fotos mit Tana und Kühen nicht so gut geworden. Eigentlich wollte ich davon ein T-Shirt drucken lassen.

"Oma, mach doch mal ein Foto mit mir und dem Kuhfohlen."


Es ist wieder heiß heute, bis zum Mittag will Tana ihr Rad genießen und ab Mittag geht es wieder an den See.

Abends wollen wir dann nach Staudach zum Schnappenkeller essen gehen.


Morgen ist Alphornblasen im Gasthof Feldwies, vielleicht gehen wir hin.


02.08.95


Ausgerechnet heute sind wir später aufgestanden. Die Mama rief an.

Warum schliefen wir noch? Wir waren beide geschafft. In der letzten Nacht wurde an den Schienen der Bahn repariert. Es war ungewohnt und erst als ich die Balkontür geschlossen habe, konnten wir schlafen.

Gestern hatten wir einen sehr langen Tag. Essen im Schnappenkeller in Staudach und anschließend noch Eisessen beim Italiener in Grassau.

Die Kellnerin im Schnappenkeller war wieder, trotz wahnsinnigen Betriebs, geduldig und hat meine Tana gut beraten. Sie wollte etwas, das gar nicht auf der Speisekarte steht - Nudeln mit Soße und Sauerkraut.

Die Kellnerin: "Is scho recht, dös mog i a gern, die Kiechen mocht dös scho."Neuerdings versteht Tana auch sehr gut bayerisch. "Und ein Spezi", schreit Tana der Kellnerin hinterher. "Is scho recht" kommt es zurück.

Tana ist schon wieder weg auf dem Spielplatz.

Das Essen kommt, eine Riesenportion, aber sie schafft alles. "Siehst Du Oma, wenn es schmeckt, esse ich auch schnell. Oma ich mache einen Vorschlag, wir essen noch ein Eis." "Tana, es ist schon sehr spät, 22.00 Uhr, in Halver würdest Du schon lange schlafen."

"Ach Oma, Du musst der Mama doch nicht alles schreiben."

"Bekommst Du denn in Deinen dicken Bauch überhaupt noch etwas hinein?"

"Eis immer Oma."

Also fahren wir statt rechtsrum nach Übersee, geradeaus nach Grassau.

"Alex, Du passt auf, wo der Italiener ist, rechts muss er sein. Vielleicht hat er auch schon zu."

"Hier Oma ist er", brüllt Tana und genau davor ist ein Parkplatz und sogar kein Parkverbot Oma."

Der Italiener zählt alle Sorten auf, die er vorrätig hat zu dieser späten Stunde, bei Nutella-Eis stoppt Tana ihn.


"Zwei bitte."

"Oma, weißt Du was ?"

"Das ist mein liebstes Gemüse."

Mir fällt vor Schreck fast das Hörnchen hin.

Nach dem Eis platzen wir beide fast.

Das Essen im Schnappenkeller ist lecker und da langt man richtig zu.

Als wir bei Lindlachers parken, ist nur noch in der Küche Licht. Die Bäuerin wartet auf uns, wir sind die letzten Heimkehrer. Es ist mal wieder spät, 23.00 Uhr und Tana ist noch so munter, dass Rückenkratzen und noch eine Geschichte aus meiner Kindheit fällig ist.

"Oma, erzähl mal wieder, wie Du groß geworden bist."

Mitten in der Nacht bin ich umgezogen. Vor lauter Schmusen war Tana so weit zu mir rübergerutscht, dass ich raus fiel, so bin ich in Ihr Bett gewechselt.

Morgens kurz vor Mama's Telefonanruf: "Oma, was machst Du eigentlich in meinem Bett ?"

"Tana, was machst Du eigentlich in meinem Bett?"

Sie lacht sich kaputt.

"Oma, bei Mama dauert es morgens immer ganz lange, bis sie gute Laune hat."

"Vielleicht nervst Du sie morgens immer, weil Du so trödelst oder?"

"Ach Oma, das schreibe lieber nicht der Mama."

Gestern hat sie Barbara kennen gelernt. Sie ist das Enkelkind des Bauern von gegenüber. Sie wohnt eigentlich in Siegsdorf. Sie ist bei den Großeltern zu Besuch. Bald wird sie aber auch in Übersee wohnen, ihre Eltern bauen ein Haus, etwas hinter der Post.

Durch Barbara lernt Tana noch viel besser bayerisch verstehen, obwohl Barbara sich sehr bemüht, hochdeutsch zu sprechen. Ich bin erstaunt, dass Barbara schon in die dritte Klasse geht. Von der Figur ist sie nämlich nur die Hälfte von Tana.

Barbara hat auch ein Fahrrad, so radeln sie beide etwas die Moosner Str. entlang. Tana hat ihr Rad aber nur eine Woche, es ist zu teuer.

Wir fahren mal nach Grabenstätt. Frau Lindlacher hat uns erzählt, dass dort die Fabrik der Firma Chiemsee ist und man auch ab Fabrik kaufen kann.

"Das Fahrrad, Oma, muss aber mit." "Also gut. packen wir es ein."

Der Verkauf bei der Firma Chiemsee beginnt erst um 12.00 Uhr. So fahren wir erst einmal zum Bäcker Müller. Draußen stehen Tischchen und wir gönnen uns jeder einen Amerikaner, eine Zimtschnecke und ein Laugenbrezel nehmen wir noch als Wegzehrung mit, wer weiß, es könnte ja eine Hungersnot ausbrechen. Dazu gibt es noch ein Spezi, sonst ist alles zu trocken.

Es ist immer noch zu früh, also fahren wir mal ein Stückchen weiter am Chiemsee entlang. Der nächste Ort heißt Chieming und gefällt uns ganz gut. Tana radelt vor und findet gleich den Chiemsee-Strand und die Schiffsanlegestelle.

"Kuck mal Oma, da sind aber viele Gummiboote und ganz große, die werden an dem Kiosk verkauft." Wir schauen mal, was es da sonst noch fr schöne Dinge gibt. Der ganze Rasen ist voller preiswerter und guter Dinge, ähnlich bei Havaria.

"Poh Oma, das wäre doch was für Mama oder?" "Oma, kannst Du mir Geld leihen?" Wieder hat sie ihr Geld nicht mit. "Klar, wir kaufen "ES" für Mama und legen es in den Kofferraum.

Tana fährt noch zum Bootsverleih, zu den Elektro-Booten. Sie zieht Schuhe und Socken aus und sammelt mal wieder Steine.

"Oma, ein Eiswagen kommt," brüllt Tana. "Nur eins, o.k.?"

"OK, Stratiatella."

Es ist inzwischen 12.30 Uhr. Wir fahren zurück. Wir fahren nach Grabenstätt zur Firma Chiemsee.

Das Gebäude liegt gleich an der Hauptstr. rechts, wenn man von Chieming kommt. Finden können das nur Eingeweihte, es ist ein ganz unscheinbarer Bau. Vermutlich wird hier gar nichts hergestellt, sondern nur billig in Fernost und hier teuer verkauft. Unter DM 100,00 ist hier gar nichts zu bekommen, obwohl Sommerschlußverkauf ist. Die Qualität ähnelt den angerauhten Herrenunterhosen von früher. Nur weil der Name Chiemsee oder Bypass oder Matador daraufsteht, werden horrende Preise verlangt. Nein danke.

"Tana, welchen Ort sollen wir uns jetzt mal ansehen?"

"Keinen Oma, nur Lindlachers."

"Oma, heute haben wir aber Glück gehabt, heute hat Mama angerufen."

"Wir schreiben und schreiben und bombardieren alle mit Karten und uns schreibt keiner." (Wir haben erst zwei Karten geschrieben, eine an Uwe und eine an Anni und Werner)

17.00 Uhr Zwischenmahlzeit nach Tana's Art: Körnermüsli, Joghurt, Brötchen mit Zwiebelmettwurst, dazu ein Dunkelbier.

"Oma, heute Abend fahren wir aber wieder nach Staudach, ja? Da esse ich wieder Nudeln mit Soße." Ich werde sie aber überreden, ein Kindermenue zu nehmen, das ist vollwertiger.

Seit einer Stunde versuche ich, sie zum Duschen zu überreden. - Keine Zeit.-

Was ist los? Sie kommt freiwillig nach oben - sie ist ganz still.

"Oma, was macht man, wenn man sich wieder vertragen will?"

"Mit wem hast Du denn Ärger ?"

"Mit Martin und Angela, sie reden nicht mehr mit mir."

"Warum reden sie nicht mehr mit Dir?"

"Ich habe ihnen immer die Schaukel verstellt."

"Nun geh Du mal wieder nach unten, die beiden kommen dann auch bestimmt wieder runter und dann kannst Du Dich ja bei ihnen entschuldigen."

Ich höre Tana unten: "Martin, wollen wir uns wieder vertragen?"

Martin macht es.

Unterhaltung zwischen Tana und Martin: "Poh, ist Dein T-Shirt dreckig, wenn ich so aussehe, kriege ich Ärger mit meinem Vater."

"Ich nicht, meine Oma wäscht das und morgen ist es wieder sauber."

Endlich ist sie bereit zu duschen, aber nur unter der Androhung, das Rad wieder wegzubringen.

Sie lässt sich daraufhin doch duschen.

Nachbar Pauli bringt eine Waage. Tana hat immer noch 28,0 kg, obwohl sie stämmiger wirkt. Wenn sie nicht so viel laufen und toben würde, hätte sie sicher zugenommen.

Sie hat knochenharte Muskeln.

Ich gehe lieber nicht auf die Waage.

Also können wir nach Staudach zum Essen fahren.

Sie ist nicht zu überreden, etwas anderes zu essen, sie isst wieder ihre Nudeln mit Schweinebratensoße, aber mit Gurkensalat.

Zwischendurch hocke ich immer alleine am Tisch, sie ist schon auf dem Spielplatz.

Der Stuhl ist mir zu kalt, ich nehme mir ein Schaffell, ich merke Schmerzen im rechten Bein. Es scheint der Ischiasnerv zu sein. Morgen werde ich mir beim Arzt in Übersee eine Spritze geben lassen. Frau Lindlacher empfiehlt mir den Dr. Parzinger.

Um 21.30 Uhr gehe ich schon ins Bett, Tana sitzt noch unten bei den Erwachsenen auf der Bank und erzählt Storys. Sie erklärt ihnen - ein Kind, das dreckig ist, ist gesund. Dann muss Tana kerngesund sein............

Sie kommt schon um 22.00 Uhr nach oben.




03.08.95


Was ist mit uns los. Wir schlafen beide bis 9.00 Uhr, das ist noch nie da gewesen. Schlägt die Erholung jetzt doch an?

Da wird es aber Zeit, zum Frühstück zu kommen. Doch wir sind nicht die letzten.

Tana hat sich von mir Zwiebelmettwurst kaufen lassen und vertilgt genüsslich ein Brötchen damit.

Sie ist nicht zu bewegen, mal wegzufahren. Ich soll sie nur mit Angela zum Bahnhof fahren, sie brauchen unbedingt die neue Bravo, es ist etwas von der Kelly-Family drin.

Also fahre ich alleine nach Marquartstein und erstehe im SSV ein T-Shirt und eine Hose, endlich einmal was für mich.

Das Rad habe ich wieder zurück gebracht. Es stand ohnehin die meiste Zeit nur auf dem Hof.

Um 14.00 Uhr bin ich wieder da.

Tana hat schon Selbstversorger gemacht. Sie hat eine Knackwurst und ein Brötchen gegessen, dazu Milchreis mit Zimt und natürlich reichlich Spezi getrunken.

Händewaschen wurde wahrscheinlich vergessen.

Wie sagte sie doch so schön - dreckige Kinder sind gesund.

Ich erzähle ihr, dass man von Marquartstein mit dem Sessellift auf die Hochplatte fahren kann. Es ist die Stelle, wo die Drachenflieger starten. Vom Eis-Italiener in Grassau haben wir es mehrmals beobachtet.

In den nächsten Tagen werden wir dort hinauffahren.

"Oma es ist was Lustiges passiert," erzählt sie mir kichernd. "Wir sind alle barfuß gelaufen und unsere Sandalen lagen überall rum. Der Opa Lindlacher ist mit dem Trecker gekommen und hat Martins Sandalen überfahren.

„Wir haben uns kaputtgelacht."

Mein Ischias meldet sich wieder und ich gehe zum Doc.

Morgen muss ich noch einmal eine Spritze bekommen.

Tana schaukelt und schaukelt. Sie geht nur dorthin zum Essen, wo auch eine Schaukel ist.

Gerade frage ich sie, was so Tolles am Schaukeln ist.

"Schaukeln, Oma."

"Oma, gehen wir zum Pizza-Essen? Ich wasche mich auch."

Donnerwetter.

Das Waschen hat sich nicht gelohnt.

Einmal Spaghetti beim Italiener und Tana sieht aus wie vorher. Doch es schmeckt ihr, sie stopft und stopft.

"Oma, hier gehen wir noch einmal hin, hier ist es gut."

Anschließend selbstverständlich noch ein Nutella-Eis beim Eis-Italiener.

Wir schlendern noch etwas durch Grassau, am Rathaus vorbei zur Kirche. Wir entdecken noch einen Pizza-Italiener.

Auf der Wiese neben der BEAUTYFARM startet ein Riesenballon mit Reklame für Mineralwasser. Er ist so niedrig, wir haben Angst, dass er nicht über die Kirche kommt, aber er schafft es.

Auf dem Weg zum Eis-Italiener, zum zweiten Nutella-Eis, sehen wir, dass der Ballon schon wieder zur Landung ansetzt.

Es ist schon wieder 21.30 Uhr, wann kann ich mich mal bei Tana ausschlafen? Abends läuft sie immer zur Hochform auf.

Tagsüber isst sie relativ wenig, aber ab 21.00 Uhr geht es los.

Wir fahren nach Hause, sitzen noch auf der Bank und hören, dass wir etwas Aufregendes verpasst haben.

Die Babykatze (Tana hat sie Marina getauft) ist hoch in den Birnbaum geklettert und konnte nicht mehr herunter.

Da Tana so gut mit ihr umgehen kann, wollten die Lindlachers erst in der Pizzeria anrufen, damit Tana sie herunter holt. Auf Tana hört sie, sie rennt ständig hinter ihr her.

Sie haben dann aber Bretter an den Baum gestellt und sie ist langsam heruntergekommen.

Es ist wieder spät und Tana will endlich hoch.

"Oma, ich gehe noch an die Kühltasche, mal sehen, was noch Schönes drin ist."

"Schälst Du mir noch eine Birne und schneidest sie in kleine Stücke und dann kannst Du mir noch eine Spezi mixen."

"Weißt Du eigentlich, wie gut es Dir geht ?"

"Ja, Oma, deshalb bin ich doch mit Dir in Urlaub gefahren, bei Dir ist doch nichts verboten."

Noch das abendliche Rückenkratzen und Tana ist endlich müde.

Fehlanzeige.

"Oma, Du hast mir doch in Herdecke immer aus einem Buch vorgelesen, das hieß Träumeland."

"Ja, aber das habe ich vergessen."

"Dein Pech, Oma, Du packst Dir jetzt etwas zu essen ein, fährst etwas über die Autobahn und holst das Buch. Ich warte so lange bei Lindlachers."

Nachdem ich ihr erkläre, dass es mindestens 2 Tage dauert, bis ich wiederkomme, verzichtet sie auf das Buch - und entschlummert.


04.08.95


Über Nacht hat die Spritze gegen die Ischiasschmerzen doch geholfen, aber ich lass mir heute noch eine geben.

Alexandra sitzt im Bett und liest ihre Bravo und sucht sich neue Tatoos aus.

An einem Arm hat sie sich welche geklebt. Sie sollen mit Wasser und Seife wieder abgehen.

Das Problem ist nur, beides verachtet Tana weitgehendst.

Ich lege ihr die Klamotten hin, die sie anziehen soll. Alex will natürlich die neuen Sachen anziehen.

Sie sieht ein, dass beim Baumklettern und Matschespielen es besser ist, alte Sachen anzuziehen.

Ich wasche noch alles aus, hänge es auf den Balkon und wir können zum Frühstück gehen.

Schon rennt die Babykatze hinter Tana her und frühstückt mit ihr. Die Oma Lindlacher hat das nicht so gerne. Wenn die Oma kommt, wird die Katze versteckt.

Ich fahre zur Spritze und hole Bilder ab.

Die von der Kampenwand sind ganz gut geworden. auch die von der Herreninsel. Leider war der Film bei den Wasserfontänen alle. Im Schloss durfte man ohnehin nicht mit Blitzlicht fotografieren.

Dem Vater von Martin und Angela schenke ich zwei Bilder von den Kindern im Zeller Park.

Sofort wollen sie wieder dort hin, morgen reisen Martin und Angela ab, sie wohnen in Wuppertal.

Wir packen etwas zu trinken und essen ein und fahren alle hin.

Die Kinder sind ganz traurig. Arbeiter sind dabei, die Baumscheiben aufzuladen, mit denen sie so schön gespielt haben.

Sie erklären uns, sie wären es leid, die Baumscheiben im ganzen Park aufsammeln zu müssen, Kinder oder Jugendliche würden sie immer wieder überall verstreuen.

Morgen sei hier ein Rockkonzert und da müssen sie alle Scheiben abräumen.

Das Naturschutzmuseum ist geöffnet und sie schauen sich alles noch einmal gründlich an. Sie sind von den Mikroskopen fasziniert und legen alles Mögliche unter, von Borkenkäfern zerfressene Baumrinde, tote Bienen, ein Stückchen Schlangenhaut und ihre eigenen Finger.

Sie sind fast nicht wegzubringen.

Sie wollen dann aber doch nach Hause.

Ich schlage vor, nach Grassau zum Eis-Italiener zu fahren. Ich gebe zum Abschied ein Eis aus.

Alle sind begeistert. Beim Eisessen können wir die Drachenflieger auf der Hochplatte beobachten.

"Ist es schwer, mit dem Drachen zu fliegen ?" fragt Martin.

"Weißt Du, Martin, alles, was man kann, ist leicht" antwortet Tana.

Eine eisessende Dame verschluckt sich vor Lachen.


Wir fahren nach Hause und Tana macht es der Katze nach, sie steigt auf den Birnbaum. In halber Höhe legt sie Bretter in den Baum, die sie irgendwo auf dem Hof gefunden hat. Sie baut so eine Art Baumhaus. Sie schneidet Äste ab und schmirgelt mit der Sandschüppe die Rinde ab.

"Oma, riech mal, das riecht toll nach Holz."

Martin sammelt Käfer, sie sehen aus wie Juni-Käfer, sind aber schwarz-gelb.

Tana kennt den Namen des Kfers, klar, das ist ein BVB-Käfer.

Im Radio höre ich, dass Heiko Herrlich zum BVB gegangen ist. Ich erzähle es ihr.

"Poh, Oma, Du hast ja Ahnung von Fußball.!"

Eine Story von gestern muss ich noch nachtragen.

Irgendwann hat sie mich gefragt, woher das warme Wasser kommt.

Frau Lindlacher hatte uns erklärt, dass es durch Wärmerückgewinnung bei der Milchkühlung gewonnen wird.

Also erkläre ich es Tana. Meine Erklrung war wohl doch nicht so gut.

Sie steht unter der Dusche.

"Oma, mach nicht so weit auf, sonst kommt Milch."

Ein Gast bei Lindlachers fragt Tana, wie lange sie noch bleibt.

"Oma, hast Du noch Geld, knnen wir noch bleiben?"

Oma hat, eine weitere Woche ist bezahlt bis zum 13.08.95.

"Oma, Du musst nur aufpassen, wann ich in die Schule komme, dann müssen wir nach Hause fahren."

Malunterricht - alle wollen mit den Wachsmalstiften malen.

Martin, unser schwieriges Kind, mal die schönsten Bilder, er hat sehr viel Phantasie.

Plötzlich ruft der Nachbar, Herr Pauli, die Kühe müssen von der Weide geholt werden. Alle stürzen los.

"Es ist aber weit" ruft Herr Pauli ihnen noch hinterher.

"Egal" schreit Tana zurück.

Ich mache einige Fotos von Tana und den Kühen.

Abends essen wir in der Arche Noah, einem Familienhotel mit Kleintierzoo.

Es ist ein früherer Bauernhof, nicht weit von Lindlachers entfernt in Richtung Grabenstätt.

Auf dem Rückweg ein traumhafter Sonnenuntergang, die Alpen glühen regelrecht.

"Oma, sieht das schön aus.

Mit Dir habe ich aber nur Ärger, Du hast schon wieder den Fotoapparat vergessen, da hätte ich ein schönes Foto gemacht."

Es ist 22.30 Uhr und Tana malt noch ein Herzchen für Mama und Klaus.


05.08.95


Au - weia, Abschied von Martin und Angela, sie reisen ab.

Martin will Alex zum Abschied knutschen.

Wie ein geölter Blitz ist sie weg und schreit: "Immer diese ekelige Knutscherei."

Wir verabschieden uns normal und fahren zum Rewe-Markt, um Proviant zu fassen und weiter geht es zum Strand.

Mist, der Parkplatz am Strandbad ist schon voll, wir bekommen schon vorne hinter der Zahlstelle einen Platz, dafür unter schattigen Bäumen.

Gut, dass wir den Roller haben.

Wir gehen zum Strand, als ob wir ausziehen wollten. Kühltasche, Strandtasche, Decke, Schaumstoffrolle für Tana, aufgeblasene Luftmatratze und Fischreuse.

Ein richtiges Idyll, wie bei Zille.

Der Roller ist wirklich sehr nützlich.

Tana lässt philosophische Sätze am laufenden Band ab.

"Oma, in der Luftmatratze, da ist doch die Luft von Dennis Vater drin ?" "Ja."

"Dann dürfen wir die nicht rauslassen, sonst habe ich gar nichts mehr vom Dennis."

"Oma, weißt Du, was ich gerade festgestellt habe ? Ich weiß gar nicht, wie lange wir schon hier sind. Die Zeit vergeht so schnell. Wie lange bleiben wir?"

"Ich habe bis zum 13.8. bezahlt.

"Wann ist das?"

"Das ist der nächste Sonntag, dann fahren auch die Schweinfurter nach Hause."

"Und bleiben wir dann noch länger ?"

"Wie Du möchtest."

"Was ist denn, wenn wir Sonntag nach Hause fahren?"

"Dann bist Du alleine, denn Mama und Klaus gehen ja arbeiten. Mama hat erst später Urlaub."

"Ach Oma, dann bleiben wir lieber hier, Du musst dann der dicken Frau Lindlacher aber Bescheid sagen."

"Mache ich, aber wir warten erst diese Woche ab."

"Gut, ich gehe jetzt erst mal Fische fangen."

"Ach nein, erst muss ich was essen."

Danone-Erdbeer-Joghurt, ein Brötchen mit Salami, ein Vanille-Eis, dazu Spezi.

Für morgen haben wir eine Sessellift-Fahrt auf den 1800 m hohen Geiselstein geplant.

Wir kuscheln uns auf der Decke im Freibad am Chiemsee.

"Oma bitte kitzeln, Oma bitte kratzen, Oma schmusen wir zusammen?"

"Moment mal, ich bin hier im Urlaub."

"Nein Oma, das stimmt nicht. Ich bin hier im Urlaub, Du musst arbeiten und bezahlen."

"Das ist ja interessant, was bekomme ich eigentlich dafür?"

"Das" Ein Küsschen.

"Das ist aber ein teueres Küsschen."

"Das kriegst du, aber nicht immer, aber immer öfter."

"Oma, das Wasser ist ganz warm."

Wir gehen mit Luftmatratze ins Wasser. Tana legt sich darauf und ich muss sie durch das Wasser ziehen. Ich schiebe sie von mir weg und ziehe sie mit einem Ruck wieder heran. Sie hat einen Heidenspaß, denn trotz allen Klammerns an die Matte flutscht sie immer über das Kopfteil hinaus ins Wasser.

Wir können nicht so lange bleiben, denn ein Fest jagt das andere.

Heute soll ein Fest vom TSV Übersee auf dem Sportplatz sein, morgen ist Gartenfest beim Hinterwirt und eins in Grassau, in Marquartstein ist was los, in Prien ist Schuhplattler-Wettbewerb. Wohin soll man gehen?

Hier ist mehr los, als bei uns zu Hause.

Noch schnell ein Müsli-Joghurt in Tanas Bauch, bei dem Fest wollen wir Leberkäs mit Spiegelei und Pommes essen.

"Tana, ich muss mal an unseren Platz."

"Warum ?" "Ich habe mein ganzes Geld dort."

"Du hast gesagt, in Bayern klaut keiner."

"Gut Oma, Du gehst jetzt an unseren Platz, zählst das Geld und kommst wieder."

Security a la Alex.

Wir packen um 17.00 Uhr ein und fahren nach Hause.

Etwas frisch gemacht, etwas anderes angezogen, ziehen wir bald wieder los Richtung Sportplatz.

Dort sind allerlei Sportgeräte auf dem großen Rasen verteilt. Alex probiert alle aus und wundert sich, dass alles so leicht aussieht, es aber nicht ist.

Pedalos, Stelzenlaufen, Hüpfbälle usw.

Es sieht zu lustig aus, wie sie sich abmüht und immer wieder der Länge nach hinfällt.

Ah, da kommt der strahlende Alexander auf uns zu, er hat uns entdeckt. Er ist das Enkelkind von Frau Lindlacher und 3 Jahre alt. Er zeigt mir ganz aufgeregt etwas am Himmel. "Gooße Bälle, gooße Bälle"

Es sind vier Heißluftballone aufgestiegen.

Tana holt sich nach den Mühen erst einmal eine Spezi. Alexander muss auch mal nuckeln.

Die Rockband "Sauerkirsch" übt inzwischen und stellt die Anlage ein. Sie sind das für Bayern, was für uns die Gruppe BAP aus Köln ist.

Ab 19.00 Uhr wollen sie DM 10,00 Eintritt haben, also gehen wir, das Konzert hören wir bei der Lautstärke ohnehin im ganzen Ort.

Tana möchte mal wieder nach Staudach essen gehen, in den Schnappenkeller.

Ich bestelle endlich für mich einen Leberkäs und für Tana in Abwesenheit, sie ist schon lange auf dem Spielplatz, einen Kinderteller.

Es kommt der Leberkäs mit Spiegelei, Bratkartoffeln, Salat und feine Erbsen in Butter, eine Riesenportion für DM 9,00. Der Kinderteller mit 4 Fischstäbchen eine Riesenportion Pommes, Remouladensoße und Salat für DM 6,00. Zum Kinderteller gibt es noch einen Lolly und ein Spiel-Vergrößerungsglas.

Tana stürzt ran, ist begeistert, dass ich draußen unter einem großen Baum sitze, sieht meinen Leberkäs und will sofort tauschen. Ich bekomme den Kinderteller aber ohne Lolly. Sie gibt mir aber etwas vom Leberkäs großzügig ab.

Sie mampft genüsslich, bestellt sich eine Sprite und meint:"Oma, also das habe ich schon gemerkt, in Bayern schmeckt alles viel besser, als in Hagen, hier ist alles so lecker."

Dreiviertel vom Teller und weg ist sie zum Spilli, der Kellnerin ruft sie noch zu: "Ich esse gleich weiter."

"Is scho recht."

Um uns herum sitzen Drachenflieger, die von der Hochplatte kommen und es sich auch schmecken lassen.

Morgen werden wir auch mal hinauffahren.

Auf dem Hinweg nach Staudach haben wir noch angehalten, zwei Ballone landeten neben der Straße auf der Wiese.

Es ist 22.30 Uhr, ich sitze schon lange im Bett und schreibe. Tana ist noch bei Lindlachers im Wohnzimmer.

Ich hoffe, sie schmeißen Tana bald raus, sie erzählt ihnen, was sie so erlebt hat.

Um 23.00 Uhr kommt sie laut pfeifend die Treppe hoch.

Mich trifft fast der Schlag. Ich zische ihr nur zu: "Leise, die Schweinfurter schlafen schon."

Sie isst noch einen Danone-Joghurt, trinkt noch Fanta und erzählt mir, sie habe der Frau Lindlacher gesagt, sie habe die Betten aber schön bezogen. Aber es hat keinen Zweck, meine Oma pupst da immer rein.






06.08.95


Heute wären wir eigentlich nach Hause gefahren- puh bei der Hitze.

So haben wir uns entschlossen, auf die Hochplatte mit dem Sessellift zu fahren, um dem Starten der Drachenflieger zuzusehen.

Wir fahren nach Marquartstein zur Talstation.

Um 10.30 Uhr geht es mit dem Sessel hoch bei traumhafter Sicht.

"Ich muss der Mama viel erzählen, was ich alles erlebe, das ist alles so toll."

"Oh je, da plapperst Du ja Mama die Ohren voll."

"Ne, Oma, in letzter Zeit rede ich gar nicht mehr so viel, weil ich nämlich viel draußen bin."

Oben auf der Bergstation gehen wir erst zu den Drachenfliegern, aber die bauen erst auf und zum Starten ist der Wind noch nicht gut.

So wandern wir etwas auf der Alm. Es ist einfach herrlich hier mit totaler Übersicht über den gesamten Chiemsee.

Selbst Tana findet es schön.

Bei einer kleinen Alm finden wir eine schöne Bank und einen Tisch im kleinen Bauerngarten. Das Türchen ist offen, niemand ist zu Hause.

Wir verspeisen unseren Proviant, den ich im Rucksack mitgeschleppt habe. Brötchen mit Zwiebelmett, Milchreis, Götterspeise und Fanta.

Richtig essen werden wir heute beim Gartenfest beim Hinterwirt in Übersee.

Dort soll wieder die Blasmusik aufspielen, Goaßelschnoalzer und Schuhplattler werden zu sehen sein.

So nun ist der Wind aufgezogen. Die Hitze ist hier oben nicht so stark. Wir gehen zur Startrampe, dort hat sich schon eine unübersehbare Schlange von Drachenfliegern aufgereiht.

Richtig heißen sie Segelgleiter, denn Drachen (Frauen) laufen auf der Erde herum und fliegen nicht. (kleiner Drachenflieger-Scherz)

Es fliegen aber nicht nur Männer, sondern auch viele junge Frauen. Es ist interessant, zuzuschauen.

Meist sind es Schüler einer Drachenfliegerschule aus Marquartstein. Der Lehrer ist sehr witzig. Er l„át lustige Sprüche los, wie - Hau ab, Du Hosenscheißer -

Hoast Schiss ? Wer nuff kimmt, kimmt a nunter, usw.

Bald ist der Himmel voller bunter Segel. Ein schönes Bild. Es gibt so viel zu schauen.

Insgesamt sitzen wir 3 Stunden an der Startrampe.

Dann ist es auch für Tana genug.

Um 15.00 Uhr fahren wir wieder hinunter.

"Puh, Oma, hier müsste die Mama auch mal mitfahren. Aber da müsste die Mama erst mal Geld holen. Oma, die Mama kriegt auf der Bank immer Geld. Du sie hatte mal keinen Scheck, da kriegt man nämlich Geld dafür, aber die haben ihr trotzdem Geld gegeben."

"Oh Tana, schau mal ganz schnell nach links, da ist einer in einer Tanne abgestürzt."

"O Ja, Oma, da auf dem Weg steht auch ein Auto und da laufen Männer, die retten ihn bestimmt."

"Woher wissen die Männer, dass der abgestürzt ist."

"Weißt Du, oben an der Rampe hast Du doch den Lehrer gesehen, der hatte doch ein Funkgerät, damit kann er gleich Hilfe holen. Von der Rampe aus sieht er nämlich, ob einer gut fliegt oder abstürzt."

Leise gleiten die Sessel weiter nach unten - 15 Minuten dauert die Fahrt - mit einer traumhaften Aussicht.

Puh, unser Auto ist sehr heiß, trotz aller Barrikaden. Selbst die Luftmatratze wird immer als Schattenspender missbraucht.

Wir fahren auf dem Weg nach Hause noch bei unserem Eis-Italiener in Grassau vorbei.

Unten ist es merklich wärmer, als oben auf der Hochplatte.

Heute wird es ein großes Eis - Tana Nutella - ich Pistazie.

Tana fällt ein, dass ja beim Hinterwirt was los ist.

"Oma, fahren wir noch vorbei?"

Also biege ich ab in Richtung Mietenkam - Übersee.

Gerade wird beim Hinterwirt die Musik aufgebaut, Tische und Bänke stehen schon. Die Speisekarte für den Abend wird mit Heftzwecken auf die Tische aufgepiekst. Auf diesen Festen gibt ist immer das gleiche Essen - Leberkäs mit Kraut und a Semmel, a Moaß, a Radler oder a Spezi.

Tana schaukelt mal wieder auf der Hinterwirtschaukel.

"Oma, in diesem Urlaub habe ich für mein ganzes Leben geschaukelt."

Wir fahren nach Hause. Ich hätte gern, wenn Tana sich duschen würde und sich die Haare waschen ließe.

Aber sie will nicht, dann verzichtet sie sogar auf das Fest.

Ich setze mich vor das Haus, auf die Bank und schreibe.

Tana geht zum Andreas Lindlacher ins Wohnzimmer fernsehen.

Zwischendurch höre ich sie mit ihm reden, sie versteht ihn jetzt schon auf bayerisch.

Ich lasse sie in Ruhe, vielleicht überlegt sie sich das Duschen ja noch.

Nach einer Stunde kommt sie alleine und will geduscht werden.

"Oma, dreimal darfst Du raten, was ich noch möchte."

"Was kann das sein, Du willst ein Eis haben?" "Nein"

"Du willst etwas zu trinken." "Nein"

"Oma, Du kannst es nicht raten. Ich will die Haare gewaschen haben." "Ehrlich ?" " Ja, Oma."

Also los geht's.

"Damit die Haare trocken werden, gehe ich dann noch etwas schaukeln und dann trocknen sie ganz ohne Strom."

Oh je, beim Hinterwirt ist was los, alles ist schon voll. Einen Parkplatz gibt es auch nicht mehr. Aber in der Nebenstraße vor der Malerausstellung finden wir noch ein Plätzchen. Da die Bayern zusammenrücken, finden wir auch noch Platz auf einer Bank nahe der Bühne.

Tana kennt sich besser aus, als ich und ist schon weg, ruft mir nur noch zu:" Oma ein Leberkäs mit Kartoffelsalat und ein Spezi."

Ja, das Kind wird gesund ernährt...............

Sie ist schon bei den Schuhplattlern und Goaßelschnoalzern = Peitschenknallern.

Die Musik ist richtig fetzig, sogar von Westernhagen spielen sie Stücke, nicht nur Alpenmusi.

Es war zwar Regen angesagt und Gewitter, aber es ist eine herrliche Sommernacht mit fast Vollmond und einem schönen Sternenhimmel.

Die Musik ist so laut, dass man das Kirchenläuten nebenan nicht hört.

Riesenstimmung und Tana mittendrin. Sie findet jetzt auf einmal die Lederhosen so toll und will eine haben, aber da streike ich.

Um 22.30 Uhr geht es dann endlich nach Hause.

Aber da sind noch viele Kinder auf dem Fest, selbst Babys, fast wie in südlichen Ländern.

Zu Hause fängt Tana erst mal wieder an, Essen zusammenzustellen. Sie isst noch ein Müsli -Joghurt und ein halbes Brötchen, dazu ein Sprite.

Ich bin schon im Bett, da mampft sie immer noch.

Das hält die stärkste Oma nicht aus, jeden Abend so spät ins Bett.

"Oma, mach die Augen nicht zu, ich will noch schmusen."

Endlich ist sie im Bett, sie hat sogar die Zähne geputzt.

Sie huscht in mein Bett.

"Moment mal, wer ist da in mein Bett gekommen. Meine Tana kann das nicht sein, die ist meistens klebrig und dreckig."

"Doch Oma, ich bin doch die Alte."

"Nein, das kann nicht sein, dies Kind duftet gut und ist sauber. Ich muss erst mal meine Brille aufsetzen, ob das wirklich meine Tana ist."

"Oma, mach keinen Quatsch, ich bin es doch."

Endlich ist sie müde, nimmt ihre Grete in den Arm und ist in wenigen Minuten entschlummert.

Um 8.10 Uhr werden wir wach.

"Oma, geh schon runter, ich ziehe mich in Ruhe an."

Vorher kämme ich sie wenigstens.

Eigentlich braucht Tana keinen Koffer, nur ein kleines Täschchen. Sie zieht nur zwei T-Shirt und zwei Hosen im Wechsel an und die hat sie nicht mitgebracht, die haben wir hier gekauft. Alle anderen Sachen liegen noch so im Koffer.

Es ist auch abends schnell alles ausgewaschen und über Nacht getrocknet.

Seit gestern singt der Keilriemen an meinem Auto. Ich muss zur Ischiasspritze und dann fahren wir zum Rewe-Markt einkaufen.

In Grassau ist ein Nissan-Händler, leider hat er seit Samstag zu, Urlaub, der nächste ist in Traunstein. Hinzufahren habe ich aber keine Lust.

In Marquartstein habe ich ein schönes Mitbringsel für Julia entdeckt.

Wir fahren hin und Tana gefällt es auch sehr gut, so kaufen wir es. Für Uwe finden wir noch einen kleinen blauen Frosch aus Glas, als Dank für das Taschengeld, das er Tana gegeben hat.

Tana findet die Kieshalbinsel in der Tiroler Ache so super und wirft Steine in den Fluss, baut einen Hafen und sieht nach kurzer Zeit so aus wie immer - dreckig.

Hinter der Brücke ist eine richtig schöne alte Bäckerei. Dort holen wir uns was zu beißen und halten es so, Tana im Fluss, ich auf einer Bank bis 15.00 Uhr aus.

Dann zieht es Tana wieder zu den Lindlachers.

Zuerst war sie bei einem Fohlen, jetzt ist sie im Kälberstall.

Das Kalb mit dem kranken Bein soll morgen geschlachtet werden.

Tana meint: "Nicht schlimm, wir haben ja noch so viele davon und es werden immer neue geboren."

Heute gehen wir nach Staudach essen, nein nicht in den Schnappenkeller (Ott), sondern in den Mühlenwinkel. Der Schnappenkeller hat montags Ruhetag.

Jetzt sind wir schlauer und bestellen nur ein Gericht - Hähnchenschnitzel, Pommes, Kraut,-Möhren-und Gurkensalat, Radler und Spezi.

Tana isst, bis sie satt ist und der Rest macht mich auch noch dicke satt.

Natürlich folgt noch für jeden ein Nutella-Eis in Grassau.

Bei Lindlachers sind Nichten und Neffen aus Regensburg zu Besuch, so im Alter von 10 - 13 Jahren.

Nach einer halben Stunde mit Tana sagt eine zu mir: "Kannst Du die Alex nicht hier lassen, die passt so recht nach Bayern, die ist so schön frech." Eine andere bestätigt das mit:" Koanst die net hilosse, die isch recht."

Sie war aber auch noch nie so schlagfertig, die haben sich gegenseitig angeregt und hochgeschaukelt. Alle waren rundherum von Tana begeistert.

Es stellte sich heraus, dass es alles 1860 München-Fans waren,da war sie erst recht in Hochform.

Bis 22.30 Uhr zogen sich die Diskussionen über die bessere Mannschaft hin.

Dann mussten Nichten und Neffen sich aber verabschieden. Sie sind in Übersee bei Verwandten und versprechen wiederzukommen.

Im Bett erzählte sie mir, sie habe geträumt, es habe Gold und Silber geregnet. Das war schön und sie habe auch alles gefunden, denn Kinder finden immer alles.

"Ich habe Dich ja auch gefunden, Oma."






08.08.95


Über Nacht hat es geregnet und es ist etwas kühler geworden.

Wir fahren zuerst zum Arzt - meine Spritze abholen.

Dann geht es weiter - heute mal nach Österreich - nach Kössen.

Die Wolken hängen tief, es sieht wirklich interessant aus, wie sie sich auflösen und dann wieder zusammenziehen.

"Oma, mit Dir erlebe ich am Tag mehr, als zu Hause in einem Jahr," meint Tana.

Kössen ist nicht weit - etwa 20 km.

Wir schauen bei einer Verkaufsstelle der teuren Austria-Marke Gieswein rein. Tana ist sofort fasziniert von den Lederhosen. Sie zieht eine an und sieht wirklich knackig darin aus. Nur gut, dass die Hose viel zu eng ist, sonst wäre ich geschmolzen.

Ein Paar Sandalen kaufen wir aber, zwar sehr teuer, aber die alten lösen sich auf.

Auf dem Rückweg haben wir, außer in Reit im Winkl, in jedem Ort nach einer Lederhose für Tana geschaut. Sie war ganz wild darauf.

Auf einmal fiel mir ein, dass die Lindlachers vielleicht noch eine von ihren Kindern haben müssten.

In den meisten Geschäften sagte man mir allerdings, in Tanas Größe 140 gäbe es so gut wie keine Auswahl, da Kinder in dem Alter keine Lederhose mehr anziehen wollen.

Aber Tana.

Ihr geliebter Herr Hädrich aus Schweinfurt, auch Gast bei Lindlachers, erzählt ihr, er habe noch eine Zu Hause. Sie müsse nur zu ihm nach Hause kommen und sie abholen.

"Nö, Du kannst sie mir ja hier nach Lindlachers schicken, wir bleiben noch eine Weile hier."

Alle nervt sie wegen der Lederhose.

Selbst Nachbar Pauli, mit dem sie immer die Kühe von der Weide holt, ist eingespannt.

Pauli treibt gerade seinen Hahn mit den vier Hennen mit dem Besen nach Hause. Sie rennen zum Ärger von Frau Lindlacher immer in den Kuhstall. Wegen der Milchhygiene will sie das aber absolut nicht haben.

Der Hahn schimpft und schreit, er will nicht mit seinen Weibern verschwinden, da muss eben Paulis Besen her. Nur unter Protest rennt er mit seiner Weiberschar davon.

Ein Mann kommt auf den Hof und gibt Bescheid, dass drei Kühe und ein Kalb von der Weide ausgebrochen sind, sie rennen auf der Straße herum.

Alles rennt los.

Später erfahren wir, es hat große Schwierigkeiten gegeben. Der Stier, der sich sonst sogar streicheln lässt, hat seine restlichen Kühe auf der Weide verteidigt und die ausgerissenen nicht mehr auf die Weide lassen wollen. Nur mit Ablenkungen haben sie es geschafft.

So ist hier immer etwas los.

"Tana, wenn wir noch eine Woche länger bleiben, können wir auch woanders in Übersee hinziehen, damit Du etwas anderes kennen lernst."

"Ach nein, da müssen wir wieder Koffer packen und bei Lindlachers ist es doch am schönsten, denn hier darf ich alles."

Wir wollten abends in die Pizzeria Marina Blu, aber die hatte Ruhetag, also ging es zum Hinterwirt, gleich um die Ecke und somit gab es Leberkäs.

Es war wieder 22.30 Uhr. Bin gespannt, wann ich mal ausschlafen kann. Wahrscheinlich erst wieder in Herdecke.






09.08.95


Die Lederhose

Mist, uns haben sie die Berge geklaut.

Die Wolken hängen so tief, dass es aussieht, als wären wir an der Nordsee.

Dabei erzählt uns Bayern III nördlich von Nürnberg ist das schönste Wetter.

Nach dem Arztbesuch finde ich Tana irgendwo auf dem Hof schon ziemlich eingesaut.Ich mache den Vorschlag, zur Sommerrodelbahn zu fahren. Sie ist in Marquartstein in dem Erlebnispark kurz vor der Hochplatte.

Viele andere Spielmöglichkeiten gibt es dort. wie Trampolin, Hüpfburg, Laufscheiben, Streichelzoo, Märchenbilder, Eisenbahn, Autoskooter. Das Tollste aber ist die Rodelbahn.

Davor stehen allerdings mindestens 30 Leute an, die einen Schlitten haben wollen.

Tana sieht von dem alle nichts, sie ist so fixiert darauf, einen Schlitten zu bekommen, dass sie überhaupt nicht wahrnimmt, dass so viele Leute schon lange auf einen warten.

Ein Schlitten kommt an, sie rennt an allen vorbei, nimmt den Schlitten und zieht mit ihm den Berg hinauf. Alle schauen verdutzt, was sie da macht, aber oh Wunder, keiner meckert.

In sausender Fahrt kommt sie den Berg herab, kaum gebremst. Es macht ihr großen Spaß. Alle, wirklich alle Geräte werden ausprobiert, derweil friere ich, für mich gibt es leider keine Beschäftigung.

Nach drei Stunden gehen wir erst mal aus dem Märchen- und Erlebnispark heraus, später werden wir wiederkommen.

Am Ausgang drückt man mit einem Finger oder auch mehreren auf ein Stempelkissen mit Geheimfarbe. Bei der Rückkehr halten wir unsere Finger unter eine Speziallampe und der Finger leuchtet lila.

Wir klappern alle Geschäfte in Marquartstein und Grassau ab nach einer Lederhose, sogar im SECONDHANDLADEN waren wir - keine Lederhose.

Wir fahren noch einmal für 2 Stunden zur Rodelbahn.

Dann versuchen wir es noch einmal in Grassau, aber wieder nichts.

Ich sage:"Tana, noch ein Geschäft in Übersee und dann bin ich es leid und gebe auf, klaro ?." "Klaro, Oma."

Wir gehen in das Textilhaus Genghammer in Übersee, ich in der Hoffnung, Geld zu sparen, weil wieder mal keine Lederhose da ist.

Der Chef, ein älterer, sehr netter Herr, bedient Tana sehr lieb und freundlich, so als ob sie eine erwachsene Kundin ist, deren Wünsche ihm wichtig sind. Sie beratschlagen erst einmal, was sie möchte. Ich bin gar nicht mehr wichtig. Wahrscheinlich erst an der Kasse.

Zunächst erklärt er ihr erst einmal, wie eine Lederhose sitzen muss, welche Hosenträger man dazu benötigt und welche Kniestrümpfe man dazu trägt.

Er hat eine Lederhose, sie sitzt perfekt, Alex sieht einfach toll darin aus und Oma ist mal wieder eine Stange Geld los. Lederhose DM 129,00, Hosenträger DM 19,00, Kniestrümpfe DM 14,50. Am nächsten Tag kommt noch ein Hemd dazu DM 33,95.

Ich laufe in jahrealten Klamotten herum..................

Herr Genghammer hat solch einen Spaß an Alex. Immer wieder sagt er:"Mei sieht dös Madl fesch aus."

Tana ist überglücklich.

"Oma, es ist wie Weihnachten."

Am liebsten möchte sie mit der Hose schlafen gehen.

"Oma, wenn ich Dich nicht hätte."

Allen Lindlachers, den Gästen und dem Nachbar Pauli wird die Hose gezeigt. Sie läuft rum, wie der Gockel auf dem Mist.

"Oma, der Eis-Italiener in Grassau erkennt mich bestimmt in der Lederhose nicht wieder, er weiß dann bestimmt nicht, dass ich Nutella-Eis will."

Wir fahren mal wieder nach Staudach zum Essen und sie verputzt mühelos eine große Portion Leberkäs.

Ein glücklicher Tag.




10.08.95


"Verflixt, wie lange schlafen denn die "Schweinfurter". Die haben doch meine Lederhose noch nicht gesehen."

Donnerwetter, es wird freiwillig gewaschen.

"Oma, kämme mich bitte, ich will zum Frühstück."

Ein weißes T-Shirt passt gut zur Lederhose und sieht richtig schmuck aus.

Der "Schweinfurter" ruft gleich: "Sapperlot, was ist das für ein fescher Bayernbub ? Ach, das ist ja die Alexandra. Na, jetzt kannst Du aber nicht heimfahren, jetzt musst Du hier in Bayern bleiben."

"Nö, ich fahre schon nach Hause, aber wir bleiben noch eine Woche. Oma, da ist Frau Lindlacher, ich sage ihr eben, dass wir noch eine Woche bleiben, bis Mama frei hat."

Wir haben gestern besprochen, dass wir bis zum 18.8.95 bleiben. Ich denke, dass passt ganz gut. Es gefällt ihr hier so gut.

Sie ist beim Nachbar Pauli und schaut beim Sensendengeln zu. Sensenschärfen hat sie noch nie gesehen.

Ihren Koffer kann ich wohl schließen, die Lederhose zieht sie wohl nicht mehr aus.

Heute ist wieder gutes Wetter, aber Strandwetter ist es noch nicht.

Sie will wieder zur Rodelbahn, aber für uns beide kostet der Eintritt immerhin DM 15,00, das ist zu viel, Sie sieht das auch ein.

"Oma, ich habe mir meine Hand mit der Geheimfarbe noch nicht gewaschen, dann komme ich doch rein."

"Jetzt aber, ab zum Händewaschen."

Ich möchte wegfahren, Tana will nicht, Protest. Auf einmal sitzt Tana schon im Auto und will weg. Wir fahren Richtung Berge, nachdem ich noch die Kühltasche geholt habe.

In Marquartstein ist eine Ausstellung, die würde ich gerne sehen, Tana will lieber an das Flussufer der Tiroler Ache. Ich hole in der schönen alten Bäckerei etwas Gebäck.

"Oma, nein ich lasse Dich nicht alleine gehen, ich muss auf Dich aufpassen." Es stellt sich aber heraus, die Ausstellung ist über Mittag geschlossen.

Tana holt in der Bäckerei noch diese scheußlichen bunten Fäden und dann geht es an die Ache.

Tana ist aber bald die Sonne zu stark. Wir fahren weiter nach Schleching, der Talstation der Geigelsteinbahn. Von hier sind es dann noch 2 km bis Österreich.

Tana hat Schluckauf.

"Wer denkt an Dich?" frage ich. "Wieso ?"

"Wenn Du Schluckauf hast, denkt bestimmt einer ganz fest an Dich."

Der Schlick hört auf.

"Oma, ich weiß warum der Schlick aufgehört hat. Ich rede zu viel, dann hat der Schlick keine Zeit zum Schlicken."


Wir fahren mit dem Sessellift auf den Geigelstein (1884m).

Die Fahrt mit dem Sessellift ist wunderbar, aber nicht ruhig, weil Tana unentwegt redet und redet, selbst die Leute, die runterfahren, amüsiert es.

Oben essen und trinken wir erst einmal, was wir im Rucksack haben. Joghurt habe ich zwar aus der Kühltasche mitgenommen, aber ich habe die Löffel vergessen.

Tana stellt sich auf einen Felsen und zeigt mir erst einmal, wie ein richtiger Bayer steht.

Sie wirft sich in Positur, Hände in der Taille, sie hat es so bei den Trachtenfesten und beim Schuhplatteln gesehen. Es sieht so witzig aus, ich mache davon erst mal ein paar Fotos.

Wir haben eine herrliche Sicht, hier oben sieht man viel mehr Berge als unten.

Wir genießen auf einem Felsen liegend die schöne Natur.

In manchen Dingen denkt Tana sehr praktisch und überlegt.

"Oma, Du hast das Auto in den Schatten gestellt, aber Du weit ja, dass nachmittags die Sonne auf der anderen Seite ist."

Sie läuft etwas den Hang hinauf und findet Blumen, die sie noch nicht kennt.

"Oma, ich habe ein richtig schönes Erlebnis erlebt."

"Es riecht hier so schön, die Kühe läuten mit ihren Glocken, es ist einfach toll. Gut, dass wir hier hoch gefahren sind. Nur schade, dass Du nicht so gut laufen kannst. Im nächsten Jahr, wenn Du die Platte raus hast, kannst Du alles besser."

"Genau, dann gehen wir zu Fuß hoch und fahren nicht mit dem Sessellift."








Diese Stempel dürfen eigentlich nur Wanderer benutzen und keine Sessellifter.

Tana bewundert immer wieder die schöne Aussicht und freut sich über jeden Gipfel, der herauskommt, wenn wir höher steigen.

"Hier auf dem Berg gibt es bestimmt keine Schaukel."

" Doch ich habe eine gesehen, am Berggasthof."

"Eine Spezi" schreit sie und ist schon auf der Schaukel.

Der Ort ist wirklich playmobilklein. Eine herrliche Sicht bis hin zum Wilden Kaiser.

Wir sind inzwischen schon etwas höher gestiegen, hoffentlich komme ich gut mit meinem kranken Knie wieder zur Liftstation zurück.

Ab und zu schleicht der Sessel ganz langsam oder er bleibt sogar stehen.

"Oma, der Lift geht langsamer, da kann wieder so eine alte Oma nicht aussteigen."

"Warum geht er jetzt auf einmal viel schneller?"

"Weißt Du, wenn mehr Leute mitfahren, ist ein größeres Gewicht am Seil und es geht schneller." Ob es stimmt ?

Unaufhörlich redet und redet sie, keine Chance, ein Tier zu sehen. Tana redet einfach zu laut. Da rennt jedes Reh weg.

Unten an der Talstation angekommen, wird erst einmal ein Brötchen verputzt und getrunken.

"Oma, fahren wir noch nach Grassau zum Eis-Italiener"

"Es gibt heute nur ein Eis, entweder jetzt oder heute Abend nach dem Essen."

" Na gut, dann gehen wir nicht in Übersee in die Pizzeria, sondern in die in Grassau und Oma daneben ist der Eis-Fritze."

Das Eisproblem löst sich wie von selbst.

Höhenluft macht sie ungeheuer schläfrig. Sie schläft sofort im Auto ein und sitzt nach einer Stunde noch schlafend im Auto.

Alles ist offen, es kann ihr nicht passieren, selbst der vorüber fahrende Trecker weckt sie nicht auf.




11.08.95


Das war Gedankenübertragung. Gerade als das Telefon klingelte, sagte ich, das ist bestimmt Mama.

Tana schimpfte mit dem Hahn vom Pauli: "Wenn Du nicht aufhörst zu krähen, kommst Du in den Topf."

Da rief uns auch schon Oma Lindlacher.

Nach dem Telefonanruf suchte ich Tana. Wo war sie?

Barfuß im Schlafanzug schaukelte sie.

Der Opa Lindlacher meinte dann auch noch, auf einem Bauernhof darf man eben alles.

"Genau" war Tanas Kommentar.

Am Frühstückstisch sah sie auch nicht anders aus und fand es auch noch gemütlich.

Es waren auch nur ihre geliebten Schweinfurter da und die lieben Tana in jeder Form.

"Ein so herrlich offenes Kind haben wir noch nie kennengelernt.

"Frau Lindlacher wir bleiben noch bis zum 18. Schade, ich möchte am liebsten ein ganzes Jahr bleiben."

"Und die Schule?" fragt sie.

"Eben, deshalb müssen wir nach Hause, ich kann ja kein bayerisch, sonst könnte ich hier zur Schule gehen."

Um 10.30 Uhr ist sie dann wieder komplett mit Lederhose angezogen.

Pauli meint:" Du passt aber auch wirklich gut da rein. Noch lang nicht jedes Dirndl sieht so fesch in der Lederhosen aus."

"Ein fesches Dirndl bist Du" meint er.

Gestern sagte sie noch, morgen fahren wir nach Österreich.

Heute:" Oma, kein Bock. Wir gehen ins Strandbad. Ich muss nur noch Pauli helfen, er verbrennt so Säcke."

Sie machen ein großes Feuer, anschließend wird mit Wasser gelöscht.

"Oma, um 5 Uhr müssen wir wieder hier sein, da müssen die Kühe geholt werden."

Also alles einpacken, Kühlelemente aus dem Gefrierschrank, die Luftmatratze wird der Einfachheit halber vom Balkon geworfen, Pauli steht unten und stellt sie neben das Auto.

Tana sitzt schon im Auto.

Im Strandbad leihe ich mir einen Liegestuhl, mit meinem steifen Rücken ist es das Beste,

Tana ist schon umgezogen und im Wasser. Nach dem Regen ist das Wasser ganz warm.

äWas steht da neben der Kühlbox am Baum ? Ach ja, irgend jemand hat Tana erzählt, eine Lederhose kann man hinstellen. So steht die Lederhose am Baum schön im Schatten. Schade, dass ich den Fotoapparat vergessen habe.

Im Wasser hat sie ein Mädchen kennengelernt, sie ist erst einmal beschäftigt.

Irgendwann wird sie schon die Kühltasche stürmen. Heute Morgen hat sie nur 1 Liter Milch in Form von Kaba zu sich genommen.

Die restlichen Brötchen habe ich geschmiert und in der Kühltasche mitgebracht, außerdem zahlreiche Joghurts, Wackelpeter und Malzbier.

Gestern waren wir noch beim Italiener in Grassau. Eine Riesenportion Spaghetti al Ragu ging in Tanas Bauch.

"In der Lederhose ist immer noch Platz, Oma."

Nämlich für ein Nutella-Eis vom Eis-Italiener.

"Oma, willst Du auch eins?"

"Nein, einer muss ja sparen."

"Oma, Du musst immer das letzte Wort haben," sagt sie verschmitzt, "dabei willst Du nur keins, weil Du zu dick bist."

"Danke."

"Ach Oma, ich mache doch nur Spaß."

Heute sind wir schon um 21.30 Uhr im Bett, was ist los?

Wir bessern uns.

Es wird schon lange kein Aladin mehr vorgelesen, sondern Tana erzählt, was ihr am ganzen Tag alles gefallen hat.

"Oma, ich erlebe so viel und die arme Angela und der Martin haben das alles nicht gesehen, der Papa von denen hat immer nur Bier und Schnaps getrunken und ist mit ihnen nirgends hingefahren."

Der Vater hat wirklich hier nur in der Kneipe gehangen und die sich selbst überlassen. Wenn wir sie nicht ab und zu mitgenommen hätten, wären sie nie raus gekommen.




12.08.95


Alex hat mal wieder im Schlafanzug gefrühstückt.

Ins Schwimmbad will sie heute nicht.

"Oma, heute fahren wir bummeln."

Sie macht den Vorschlag, nach Österreich zu fahren.

Auf dem Weg fällt mir ein, dass wir noch gar nicht im Steinbruch in Staudach waren.

"Ach Oma, das geht doch nicht, das geht doch erst im nächsten Jahr mit Deinem Knie.

"Ach ja, das hatte ich ganz vergessen."

"Oma weißt Du was ? Wir teilen uns die Arbeit. Du fährst und kuckst und ich denke."

Am Walchsee gefällt es uns sehr gut, zwar ist er gegenüber dem Chiemsee ein kleiner See, aber man sieht nicht, wo es tiefer wird, das ist uns nicht geheuer.

Auf dem Rückweg machen wir noch beim Eis-Italiener Halt und beobachten sie Drachenflieger. Dabei fällt uns ein, dass wir die Landung noch nicht gesehen haben. Das werden wir jetzt uns mal ansehen.

Vorher kaufen wir aber noch eine Salbe für Kinder gegen Mückenstiche in der Apotheke an der Kirche. Die Mücken lieben Tana.

Danach fahren wir zum Hotel Weßnerhof in Marquartstein, dort landen die Drachenflieger.

Zum Glück gibt es hier auch einen Spilli mit Schaukel.

Wir wollen noch zum Samerzug, ein traditioneller Salzzug mit Pferden. Salz für Mensch und Tier wurde früher aus der Saline in Bad Reichenhall in die Bergdörfer transportiert. Salzsteine hatten wir schon vielfach auf den Weiden gesehen, an denen die Kühe genüsslich leckten. Tana musste auch mal probieren, es hat ihr aber nicht geschmeckt, sie hat kräftig gespuckt.

Es ist sehr interessant zu sehen, wie das Salz früher transportiert wurde.

Die Pferde hatten bei der Hitze mächtigen Durst. Große Badewannen mit frischem Wasser standen bereit, selbstverständlich auch Heu.

Für die Männer gab es erst mal eine frische Moaß Bier und Schinkenbrote.

Gleichzeitig war es ein großes Fest mit Blasmusik, selbstgebackenem Kuchen, Schmalz- und Schinkenbroten.

Tana hatte wieder reichlich Kinder kennen gelernt und wie immer, saß ich stundenlang alleine. Nur ab und zu kam sie, ihr Spezi trinken.

"Oma, hier kenne ich schon viel mehr Kinder, als in Hagen", berichtet sie mir begeistert und stellt mir ein Mädchen vor, eine Schwarze.

"Oma, Du kannst ruhig etwas rumlaufen, wenn Du mich sucht, ich bin entweder auf dem Spilli oder wenn die Musik spielt, vor der Bühne."

Also gehe ich endlich zur Gemälde-Ausstellung oben in der Schule.

Es lohnte sich sehr. Wunderschöne Aquarelle aus der hiesigen Umgebung, zu jeder Jahreszeit gemalt, von einem Düsseldorfer, Fritz Dietel, der sich als Rentner hier niedergelassen hat. Fast alle Bilder sind bereits verkauft.

Nach einiger Zeit gehe ich wieder zum Samerzug-Sammelplatz. Die Pferde sind inzwischen weiter gezogen, denn der Zug geht über mehrere Tage von Reichenhall bis Samerberg. Das Fest löst sich langsam auf. Morgen ist hier an gleicher Stelle das Waldfest.

Meine Tana tobt auf der Gemeindewiese zwischen Pferdeäpfeln herum und ist ebenfalls in Auflösung begriffen.

Sie will immer noch nicht weg, sie knurrt, doch dann kommt sie doch mit, sie will essen gehen, in ihrem Lieblingslokal Schnappenkeller in Staudach.

"Einmal am Tag warm essen, Oma."

Erst muss aber eine gründliche Säuberungsaktion stattfinden.

Bei Lindlachers muss sie aber erst die Kühe wieder auf die Weide führen.

Das Waschen und Umziehen wird auf später verschoben.

Als sie zurückkommt, will sie nicht mehr essen gehen, keine Zeit.

Fünf Minuten später: "Oma, wann fahren wir endlich essen?"

Es muss wohl am Vollmond liegen.............

Wir fahren los. Unterwegs gibt sie mir schon die Bestellung an, Würstchen, Pommes und Gurkensalat und Spezi, sie habe keine Zeit, sie müsse sofort zum Spilli.

Es steht zwar nicht auf der Speisekarte, aber im Schnappenkeller geht alles.

Halb gegessen, weg, auch das kennt man hier, zwischendurch mal wieder in die Mikrowelle, es geht alles.

Keine Zeit, die Kinder auf dem Spilli warten auf mich.

Die rasen genau wie Tana immer ab und zu zum Essen und zurück.

Das Umziehen ist jetzt im übrigen ganz einfach. Es muss nur das T-Shirt gewechselt werden, die Hose = Lederhose bleibt die selbe.




13.08.95


Eines ist gewiss, meine Ohren werde ich durchlöchert wie ein Sieb nach Hause bringen.

Wie kann ein einzelner Mensch nur so viel reden.

Alles wird erklärt, alles wird gedeutet und wenn ich es mal wage, ein Wort einzuwerfen kommt gleich : "Oma, immer musst Du das letzte Wort haben."


Sie holt die Kühe zum Melken in den Stall. Sie rennt zwischen den 35 Kühen herum, als ob sie mit ihnen groß geworden ist.

"Oma, Frau Lindlacher hat die Kuhfladen wie Pfannkuchen geworfen. Herr Lindlacher schimpft die Kühe immer aus. Er schreit - Du Drecksau -. Aber Oma in Bayerisch hört sich das nicht so schlimm an."

Er erklärt ihr, warum er so ärgerlich ist.

"Den ganzen Tag haben sie auf der Wiese genug Zeit zum Scheißen, wann machen sie, wenn es über die Straße geht".

"Ja und dann müssen wir mit einer Schüppe die Straße sauber machen, da sonst die Autofahrer mit uns schimpfen.

Oma Lindlacher macht sich um Tana etwas Sorgen, es gibt unter den Kühen auch manchmal böse, die auch schon mal treten oder schubsen. Doch wer kann Tana davon abhalten, die Kühe auf die Weide zu treiben oder zu holen, sie hat auch eigenen Kuhtreiberstock.

Ach Du Schreck, jetzt erzählt Herr Pauli auch noch, dass er richtige Stelzen habe, er hat sie selbst angefertigt.

Genau das Stelzenlaufen will sie unbedingt lernen.

Die Stelzen sind aber bei Nachbarn. Sie lässt nicht locker, er muss sie holen, das Problem hat er sich selber gemacht. Mit dem Moped holt er die Stelzen und gibt Tana gleich Unterricht.

Opa Lindlacher meint: " Jetzt ist der Pauli total verrückt geworden."

Neue Gäste kommen und bekommen gleich den richtigen Eindruck.

Tana brüllt gleich: "Seid ihr die Neuen, wo kommt ihr denn her ?"

Trotz des Sonntags sieht sie nicht gerade sonntäglich aus.

Endlich ist sie vom Stelzenlaufen geschafft.

"Oma, das geht ganz schön in die Arme. Gehen wir essen? Aber nur nach Staudach."

"Klar, aber waschen, kämmen, umziehen."

Ohne Widerspruch geschieht alles.

"Oma, die Berge sind nicht zu sehen, das gibt es morgen gutes Wetter. Aber vielleicht gibt es auch Regen. Ist egal, ich habe ja eine Regenjacke."

Auf dem Weg nach Staudach sehen wir einen Mann mit einem Show-Show (Hund).

"Oma, weißt Du, warum diese Hunde Schau-Schau heißen, weil die immer so kucken."

Sie hat eben für alles eine Erklärung............

Aus dem Auto sofort auf den Spilli.

"Tana, Du musst doch erst wissen, wo ich sitze.

"Ich finde Dich schon."

Der Schnappenkeller ist ganz schön groß, mit mehreren Räumen.

Ganz ruhig bleiben. Auf einmal steht sie an meinem Tisch.

"Siehst Du, ich habe Dich gefunden," brüllt sie mit einem Mädchen im Schlepptau.

Es wird wieder ein gemütliches Essen. Tana sehe ich nur kurz, sie isst schnell und sogar fast alles auf.

"Oma, gibst Du mir eine Mark, unten steht ein Flipper."

"Oma, eigentlich passt Du gar nicht zu mir."

"Wieso?" sage ich auch einmal.

"Ja, eigentlich musst Du ein Trachtenkleid anziehen, damit du zu meiner Lederhose passt."

"Wenn ich nach Hause komme, sagt Mama bestimmt, was bringst Du mir für ein fremdes Mädchen mit?"

"Eigentlich möchte ich auch gerne hier bleiben, Bayern ist so schön, aber eigentlich möchte ich auch mal wieder nach Halver. Der Bobby kann mich auch nicht mehr richtig riechen, weil meine Lederhose riecht."

Als wir nach Hause fahren, blitzt es gewaltig, es regnet und hagelt. Wir knnen erst gar nicht aussteigen.

Nachdem wir unser Regenzeug ordentlich zugezurrt haben, rennen wir schnell ins Haus.








14.08.95


Seit gestern bin ich wieder neu Oma geworden, Sina ist geboren. Uwe hatte heute angerufen und es mir gesagt.

Es regnet immer noch etwas.

"Oma, was unternehmen wir heute? Ponyreiten geht nicht, Stelzenlaufen geht nicht, also gehen wir wandern, es ist ja warm, nur der Regen stört. Aber erst muss ich mit Pauli einen Zaun für die Pferde machen."

"Fass aber das Band nicht an, das steht unter Strom."

"Oma, der Pauli hat mir gezeigt, wie das überprüfen kann. Ich muss einen Grashalm drauflegen, dann sehe ich, ob Strom drin ist."

Die Wiese ist nass, Tana hat sofort die Schuhe durch.

Also Gummistiefel kaufen. Ich muss ohnehin in den Ort, die Kühltasche auffüllen, denn morgen ist hier in Bayern Feiertag.

Als ich zurückkomme, ist sie bereit, mitzulaufen.

Sie zieht die Lederhose aus und die Jeans an.

"Oh je, Oma ich habe zugenommen, die Hose geht nicht zu, ich kriege Bauchschmerzen.."

"Mach einfach den Knopf auf, der Reißverschluss hält das schon."

Wir laufen am Strand entlang, ein wunderschöner Weg. Selbst Tana ist begeistert. Sie findet wunderschöne Muscheln.

Über ihre chicen Gummistiefel freut sie sich sehr, sie kann damit auch im Chiemsee waten.

Sie bekommt Hunger und wir fahren zu Lindlachers zurück.

Auf dem Weg schauen wir uns noch den Bauernhof an, wo nächstes Jahr der Dennis hinfährt, Baumgarten 31, Familie König.

Nachdem Tana sich gestärkt hat, ist sie schon wieder beschäftigt.

Ich sehe sie mit einem großen Vorschlaghammer über den Hof kommen, den nimmt Herr Pauli ihr aber sofort ab.

"Wo ist Dein Stock, ruft Pauli, wir müssen die Kühe reinholen." Schon ziehen sie los.

"Warum haben einige Kühe um ein Bein ein rotes oder gelbes Band?"

"Die mit dem roten Band sind abgemolken, sie bekommen ein Kalb. Die mit dem gelben Band werden nur einmal am Tag gemolken."

Tana hat wieder Stelzenunterricht, diesmal unterrichtet Andreas Lindlacher.

Tana schafft es nicht, sie ist wohl noch zu klein oder die Stelzen zu groß. Trotzdem haben beide viel Spaß.

Was mich immer mehr überrascht, sie versteht den Andreas, obwohl er tiefstes Bayerisch spricht und sich überhaupt nicht bemüht, Hochdeutsch zu sprechen.

Oh je, jetzt fährt sie mit Pauli Mist aus, da wird sie wieder aussehen und duften.

Sie ist wenigstens beschäftigt.

"Oma, lass mich, ich mache meine Selbsterfahrung."

Sie rennt den ganzen Tag in einem dünnen T-Shirt herum, obwohl es frisch ist. Sie lässt sich nicht überreden, etwas anzuziehen. Bekommt sie eine Erkältung, weiß sie wovon sie diese hat. Das ist dann eben ihre Selbsterfahrung.




15.08.95


Gestern hat Tana noch kräftig Stelzenlaufen geübt. Es wollte und wollte nicht klappen, sie hat viel Kraft verbraucht.

Um 21.00 Uhr fahren wir noch nach Grassau. Bei unserem Italiener ist es brechend voll. Wir probieren einen anderen aus, das Mediterrano.

Spaghetti mit Tomatensoße, Parmesankäse und Spezi wandert in großr Menge in Tanas Magen.

Im Zimmer angekommen: "Oma, kann ich noch die Schlangengurke essen?" Nach und nach geht auch noch die ganze Gurke hinein, wo lässt sie das alles ? Die Schalen der Gurke legt sie sich auf ihr Gesicht, das macht schön.

So ein Tag auf dem Bauernhof ist doch ganz schön kräftezehrend. Dabei nimmt sie aber nicht ab, keine Hose passt mehr, nur noch die Lederhose.

Beim Frühstück lernen wir die neuen Gäste kennen. Ein Ehepaar mit 6-jährigem Jungen, dem Andreas, wesentlich kindlicher und unselbständiger als Tana.

"Oma der quengelt immer.!“

Auf einmal große Aufregung, ein Kalb ist weggelaufen über die Bahnschranke. Arbeit für Tana.

Mit Seil und Kuhtreiberstock rennt sie mit Pauli hinter dem Kalb her. Bald kommen sie mit dem Kalb am Strick wieder zum Hof.

Ich frage telefonisch beim Ponyhof wegen eines Ausritts nach, am Mittwoch klappt es, heute ist ja Feiertag.

Mittags hat Tana riesigen Hunger. Da hilft der Inhalt der Kühltasche auch nicht. Sie hat beim Stelzenlaufen wieder viel Kraft verloren. Ihr Ehrgeiz hat geholfen, sie kann es jetzt.

Wir fahren auf den Adersberg bei Rottau.

16 % Steigung, als wir oben sind, stinkt das Auto fürchterlich.

Zuerst denke ich an einen leeren Kühler, aber nein, es war genug Wasser drin. Berg runter macht er dann auch keine Probleme. Womöglich sitzt der Keilriemen zu fest.

Vorher verspeist Tana aber genüsslich einen Bayerischen Wurstsalat bis auf das letzte Stückchen.

"Oma, was machen wir, wenn das Auto kaputt ist?"

"Dann müssen wir zu Fuß runter."

"Nein Oma, das geht nicht mit Deinem Bein."

"Also gut, fahren wir runter und Du riechst ab und zu mal aus dem Fenster, ob der Wagen stinkt."

"Stinkt es?"

"Nein, Oma, ich rieche nur Natur."

In Grassau nimmt sie noch ein Eis zu sich.

In Übersee angekommen, ist die Barbara zurück aus dem Urlaub. Sie war im bayerischen Wald.

"Wie lange bleibst Du noch hier? "fragt Barbara.

"Noch 2 Tage."

"Schade."

"Oma, ich habe schon Angst, wenn ich nach Hause komme, dann wirft der Bobby mich vor Freude um und dann habe ich überall blaue Flecke."

"Oma, hast Du noch den Kuchen von Oma Lindlacher?"

"Klar"

Sie vertilgt kurz nach dem Wurstsalat auch noch das Kuchenstück.

"Heute fahren wir wieder in den Schnappenkeller."

"Hast Du schon wieder Hunger?"

"Och ja."

So früh sind wir noch nie gefahren, es ist 18.30 Uhr.

Auf der Fahrt:"Oma, ein Heißluftballon, ach nein, sieh lieber auf die Straße, ich sage Dir wie er aussieht, blau, da ist noch einer, rot."

Heute wird bestellt: Fischstäbchen mit Butterkartoffeln = Kinderteller, dazu gibt es dann noch einen Lolly.

"Heute wirst Du aber teuer, zweimal essen gehen."

"Nein Oma, das stimmt nicht. Im Schnappenkeller hast Du einen Schein abgegeben (50,00) und die Kellnerin hat Dir 2 Scheine (30,00) wieder zurückgegeben, Also hast Du mehr gekriegt, als Du ihr gegeben hast."

Auch eine Logik......................

Sie ist schon wieder auf der Schaukel.

Wie ein Wirbelwind kommt Tana ins Hotel:

"Oma, ist mein Essen da, ich habe solch einen Hunger."

Der letzte im Speisesaal kennt uns nun.

Das Essen kommt, durch ein anderes Kind lasse ich ihr Bescheid geben.

Aus einer anderen Richtung kommt sie angeschossen.

"Oma, ich muss Dir leise was sagen. Unten ging der Flipper nicht, da habe ich einen Stecker rausgezogen, jetzt geht gar nicht mehr, nur der Zigarettenautomat geht noch."

Sie amüsiert sich köstlich, mampft ihre Fischstäbchen und einige Pommes und ist schon wieder weg.

Neben dem Lolly gibt es noch eine große Gummierdbeere, die will sie aber erst essen, wenn der Teller leer ist.

Um den Schnappenkeller ist eine so große Freifläche. Die Kinder können toben und brüllen und sie stören niemanden.

Ganz gleich, wo Tana ist, sie ist immer der Boss, ob es große oder kleine Kinder sind, alle gehorchen ihr widerstandslos. Sie führt das Kommando.

In Grassau -"1 Eis oder 2 Eis Oma?"

"Heute Mittag hattest Du schein eins."

"Ach Oma !"

"Oma, die Frau wusste schon, was ich wollte. Ich hatte noch nichts gesagt, da hatte sie schon Nutella-Eis im Hörnchen."

Zu Hause bekomme ich nach drei Jahren mal wieder einen Drehschwindel. Ich muss mich hinlegen.

"Oma, wie ist das?"

"Wie im Karussell."

"Oh, Oma, dann möchte ich auch mal Schwindel haben."

"Mach mir lieber einen nassen Waschlappen, ich lege ihn mir auf die Stirn.

"Mama, macht das bei mir auch, aber in den Nacken."




16.08.95


Es regnet und Regnet.

Wie es aussieht, bekommen wir kein Badewetter mehr.

Hoffentlich hört es nachmittags auf. Tana hat in Marquartstein einen Reittermin, obwohl sie es eigentlich nicht verdient hat.

Sie hört absolut nicht mehr, was ich sage, sie durfte hier alles ohne Widerspruch.

Es wird Zeit, dass die Mama für Ordnung sorgt, Omas geben zu viel nach.

In den letzten zwei Wochen hat sie sehr viel von ihrem Papa geredet und erzählt, was sie so alles zusammen gemacht haben, aber immer in der Vergangenheit, sie hat es wohl akzeptiert und überwunden.

Vorgestern hat sie plötzlich im Sandhaufen ein Grab gemacht und ein Holzkreuz aufgestellt.

Vielleicht ist das ihre Form der Bewältigung.

Ansonsten ist sie immer fröhlich, immer in Aktion, immer dreckig und wie sie sagt, gesund.

Die Farbe der neuen Gummistiefel ist kaum noch zu erkennen. Wie die Bauern stellt sie aber im Haus die Stiefel an die Tür.

Gleich nach dem Frühstück ist sie schon zum Ausmisten im Pferdestall.

"Stell Dir vor, Oma, gerade ist alles sauber, da scheißt die Iwa wieder hin, die ist doch wohl blöd."

" Na, ob Du das schaffst, mit dem Geländeritt ?"

"Da brauchst Du Dir keine Sorgen machen. Mama weiß, dass ich mit Pferden gute Erfahrungen habe und weißt Du, ich behalte das an, das riecht nach Lindlachers Pferden und die Hände wasche ich auch nicht, dann merken die schon, dass ich mit Pferden umgehen kann."

Eben, es gibt für alles eine Erklärung oder ?

Einen Koffer habe ich schon gepackt. Das meiste Zeug hat sie nicht angehabt. Sie wechselt nur Jeans und Lederhose. Vieles ist auch zu klein oder zu groß, so dass ich viel kaufen musste.

"Oma komisch, morgens geht der Knopf von der Jeans zu und abends nicht."

"Ist doch klar, was da am Tage so alles reinkommt."

Vom Balkon höre ich ihre Diskussion mit Pauli über das Einkaufen von Hühnerfutter. Sie versteht schon so gut bayerisch, Kinder lernen schnell.

Im Moment kommen viele Züge bei uns vorbei. Wegen eines Bergrutsches werden alle Züge über Salzburg - München umgeleitet.

Ständig geht die Schranke zu, zur Freude der Kinder. Sie raten, aus welcher Richtung kommt der nächste Zug.

Manchmal hat man auch den Eindruck, der Schrankenwärter schläft, weil kein Zug kommt und die Schranke ist immer noch unten.






18.08.95


Abfahrtstag.

Alle Lindlachers und Herr Pauli verabschieden sich von uns. Sie sind alle sehr traurig, war Tana ihnen doch so richtig ans Herz gewachsen.

Tana hat ihnen allen viel Freude gemacht und ich glaube, Tana hat viel von allen gelernt. Bestimmt wird sie sich noch lange und gerne an die Zeit auf dem Bauernhof Lindlacher erinnern - Dem Kinder-Paradies Lindlacher.

Wir zockeln gemütlich nach Hause und machen wieder reichlich Pausen. Wir haben ja Zeit.

Auf der Fahrt muss ich ihr unbedingt sagen, wann Schweinfurt kommt. Dort wohnen ihre geliebten Hädrichs.

In der Raststätte Sauerland machen wir uns dann fein für zu Hause. Tana zieht sich um, das neue Hemd, die Lederhose, die Kniestrümpfe und die blauen Schuhe.

Zu Hause muss tatsächlich der Bobby erst mal an einen Baum gebunden werden, sonst wirft er uns vor Freude noch um.

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